Der einfühlsamste Film-Talker der Stadt

Es geht nicht anders, die Berlinale fällt aus in diesem Februar. Keine tollen Tage vom 11. bis 21., kein Kino satt, keine Stars, dafür Warten auf das Publikumsfest im Juni. Wir verkürzen die Zeit und rollen den roten Teppich für die schönsten, verrücktesten Festivalerinnerungen aus – und empfehlen täglich einen Berlinale-Film für zuhause.

Berlinale heißt ja eigentlich im dunklen Kino sitzen, sich um Karten bemühen, mit Programmzeiten jonglieren. Es heißt aber auch, zu Hause Radio hören. Zumindest für mich. Ich liebe die Live-Sendung von „Kino King Knut“, dem einfühlsamsten Film-Talker, den es gibt. Der Mann kann jedem Film etwas abgewinnen. Und wer denkt, es sei langweilig, zehn Filmschaffende hintereinander über ihre Dreherfahrungen erzählen zu hören, den belehrt diese Sendung eines Besseren.

Zu Knut Elstermann kommen sie alle: die Stars und Debütanten

Die Berlinale hat mit dem Night-Talk schon lange ein Lockdown-taugliches Format: Jeden Tag interviewt Knut Elstermann nach Feierabend Schauspielerinnen und Regisseure, Stars und Debütanten. Alle strömen zu ihm, um von Ideen und außergewöhnlichen Kolleginnen zu berichten! Alexander Kluge war da, Isabella Rossellini, Geraldine Chaplin.

Dieser Berlinale Talk gibt Halt und Orientierung – und das Gefühl, Bescheid zu wissen. Selbst wenn es mal mit den Wunschkarten nicht klappt und die drei Filme, die man sieht, merkwürdig sind, fühlt man sich mitten im Geschehen. Nirgendwo sind die Stars so nahbar wie vor Elstermanns Mikrofon; und wenn es nur wenige Minuten sind.

Selbst wenn nur „Amazing“ geantwortet wird, macht das Zuhören Spaß

Es wirkt immer, als wären sie lieber hier als auf dem roten Teppich. Selbst die Kandidaten, die außer „Ja“ und „Amazing“ nicht viel herausbringen, machen Spaß.

Man kann die Sendung im ersten Stock des Cinemaxx auch live verfolgen. Knut Elstermann im schwarzen Jackett und seine Gäste noch in ihren Premierenoutfits. Manche haben sogar ihre Trophäen dabei, wie die bezaubernde Eliza Hittman ihren Silbernen Bären für „Never Rarely Sometimes Always“, dessen Bedeutung sie gar nicht einordnen konnte. Aber es geht ja sowieso um etwas anderes. Im Film steckt Leidenschaft. Wie auch in „Kino King Knuts“ Radio-Talk.
Berlinale-Tipp
Talk Radio (1988)
Oliver Stones Film ist das Gegenstück zu Elstermann. Ein skrupelloser Moderator überschreitet in seiner Sendung Grenzen und macht mit Beleidigungen Quote. Zu finden im gutsortierten Fachhandel.