„Das wird mehr eine Saison der Zufälle als eine Saison der ordentlichen Planung“

So leise wie am Samstagabend beim Spiel gegen die Grizzlys Giesen war es in der Max-Schmeling-Halle bisher noch nie, als die BR Volleys das Spielfeld betraten. Kein Applaus, kein Jubel, nicht eine einzige Klatschpappe war zu hören. Zum ersten Mal in der Geschichte des zehnmaligen Meisters mussten die Berliner ein Heimspiel vor leeren Zuschauerrängen austragen. Trainer Cedric Enard beschrieb die Atmosphäre als „seltsam“ und „befremdlich“. Manager Kaweh Niroomand teilte diesen Eindruck. Der Klub hatte gigantische Banner zwischen die Sitzreihen gespannt.

Die Volleys gingen ohne Sergey Grankin ins Spiel. Der Zuspieler hatte sich kurz vor der Begegnung eine Wadenverletzung zugezogen und fiel deshalb aus. Doch davon ließen die Gastgeber sich nicht unterkriegen und gingen im ersten Satz schnell mit 7:4 in Führung, die sie sich auch nicht mehr nehmen ließen. Dank des Körpereinsatzes von Zuspieler Pierre Pujol, der nicht einmal vor der Bande Halt macht, um den Ball zu retten, stand es wenig später 20:12, und die Berliner konnten den Satz schließlich mit 25:15 für sich entscheiden.

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Im zweiten Durchgang hielten die Gegner aus Giesen bis 12:12 mit, ehe Volleys-Außenangreifer Timothée Carle beim Stand von 24:21 den Satzball zur 2:0 Führung verwertete.

Knapper wurde es im dritten Satz, bei dem die Grizzlys anfangs mit einem Punkt führten und keines der beiden Teams es schaffte, sich über einen längeren Zeitraum eine ordentliche Führung aufzubauen. Schließlich sorgte jedoch ein Block von Benjamin Patch und Éder Carbonera dafür, dass der entscheidende Punkt an die Berliner ging und sie den Satz mit 25:21 und gleichzeitig das Spiel mit 3:0 gewannen.

Manager Niroomand zeigte sich im Anschluss an das Spiel zufrieden mit der Leistung: „Ich glaube, wir haben heute über weite Phasen ordentlich gespielt.“ Doch jede Woche gebe es einen weiteren verletzten Stammspieler. Zwar sei Mittelblocker Anton Brehme langsam wieder einsatzfähig, dafür falle nun Zuspieler Sergey Grankin aus. „Wir müssen analysieren, warum das so ist“, sagt Niroomand. Das könne auch mit der Psyche zusamenhängen. Den Spielern mache es keinen Spaß, sagt Niroomand, und das könne er nachvollziehen. „Das sind auch Menschen und ich glaube, das wird mehr eine Saison der Zufälle als eine Saison der ordentlichen Planung.“

Auch Diagonalangreifer Benjamin Patch vermisste die „magische“ Stimmung in der Max-Schmeling-Halle. Normalerweise gebe es Feuerwerk, Lichteffekte und lauten Applaus, wenn die Spieler einliefen. Das alles falle aufgrund der Maßnahmen nun weg. Trotzdem gebe er sein Bestes, um positiv zu bleiben und seine Teamkollegen zu motivieren: „Wir haben jetzt keine 4000 Zuschauer mehr. Das heißt, wir haben nur noch uns gegenseitig.“