„Das ist die ultimative Katastrophe”

Die Blicke der Füchse-Spieler gingen ins Leere – teils mit versteinerten Mienen, teils mit unverkennbarer Enttäuschung. Auf Seiten der Vereinsleitung sah es nicht besser aus. Nach der 23:29-Niederlage gegen die Rhein-Neckar-Löwen musste Sportvorstand Stefan Kretzschmar ernüchtert einräumen, dass seine Mannschaft nicht viel entgegenzusetzen hatte. „Das war leider ein völlig verdienter Sieg für Mannheim. Wir waren zu keiner Zeit und zu keiner einzigen Minute in der Lage, das Spiel zu gewinnen“, erklärte der 48-Jährige nach Abpfiff.

Von der Tribüne aus musste er mitanschauen, wie die Gäste von Beginn an das Spiel dominierten. „Das ist die ultimative Katastrophe, wenn man sich einen Matchplan zurechtlegt und sich gewisse Sachen vornimmt, und dann so schnell zurückliegt. Denn die Löwen haben uns ja mit nichts überrascht.“

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Wenig überraschend waren die präzisen Anspiele des Mannheimer Spielmachers Andy Schmid an den Kreis oder das schnelle und konsequente der Agieren der deutschen Nationalspieler Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki auf den Außen. Und doch gelang es der Berliner Abwehr nicht, auf die Gegebenheiten zu reagieren und den Torjubel der Badener zu verhindern.

Wie bereits in den vorangegangenen Begegnungen muss man diesbezüglich anführen, denn gegen Erlangen, Nimes und Flensburg standen am Ende 30 Treffer oder mehr auf dem Spielberichtsbogen. Ein Manko, das zum einen auf die ausbaufähige Defensivarbeit und die dahinter stehenden Torhüter zurückzuführen ist, aber gleichermaßen aus den Fehlern in der Offensive resultiert, wo die Bälle zu oft leichtfertig verschenkt wurden.

„Es hat an allen Ecken und Enden gefehlt“

„Es hat an allen Ecken und Enden gefehlt“, musste Kretzschmar zugeben, „und das traurige ist, dass es die Mannheimer mehr wollten als wir.“ Während die Gäste durch jede Aktion ihr Selbstvertrauen aufbauen konnten, zeigte sich bei den Berlinern die entgegengesetzte Entwicklung. Jeder Fehlwurf, jede vertane Chance ließ die eigene Unsicherheit wachsen, rief vielleicht ebenso im Kopf die vorher absolvierten Spiele wieder auf den Plan. „Das zeigt sich dann in vielen Situationen. In der Passqualität, in dem Druck auf die Abwehr, darin wie wir in die Gegenstöße gehen, wenn wir welche laufen können – in allem“, resümierte der ehemalige Linksaußen. „Das hatte keine Qualität. Da sind wir, was die Details angeht, nicht gut genug.“

Nach drei Niederlagen in Folge in der Bundesliga kündigte der Sportvorstand Konsequenzen an. Man müsse „mit der Mannschaft in den nächsten Tagen auf eine andere Art kommunizieren“ hieß es und mit ihr „härter ins Gericht gehen“. Ihm und dem Rest des Vereins wurde in bitterster Weise aufgezeigt, dass die vereinsintern ausgerufenen Meisterschaftsambitionen zu hoch angepeilt waren. Weder gegen Flensburg, noch gegen Mannheim, war es den Berlinern möglich, mitzuhalten und so befinden sich die Füchse nach den ersten Spielen gegen eines der Topteams mit bereits elf Minuspunkten auf Platz vier, mit dem SC Magdeburg auf Verfolgerkurs.

„Die Saison geht noch eine Weile, deswegen möchte ich keine Gesamtbilanz ziehen, aber es wird wichtig sein, wie wir uns entwickeln“, blickt Kretzschmar voraus ohne umhinzukommen zuzugeben, dass der THW Kiel als nächster Gegner am kommenden Sonntag dafür nicht gerade den dankbarsten Gegner darstellt.

Umso wichtiger ist es, dass der Hauptstadtklub am Mittwoch in Nimes das angekratzte Selbstbewusstsein mit einem Sieg etwas aufpoliert. Nachdem die Begegnung gegen Tatran Presov am Dienstag coronabedingt abgesagt wurde, sollten die Füchse in Frankreich ihre Stellung in der Gruppe verteidigen, um nicht auch hier in der Tabelle abzurutschen und ihr erfolgreiches weiterkommen in der European League zu gefährden.