Das Erlebnis Fußball verliert seine Leichtigkeit

Dass ein Spiel in der Fußball-Bundesliga zur Zeit nicht vor vollen Rängen stattfindet – geschenkt, ist ja klar. Dass die bescheidenen Kartenkontingente dann aber nicht unter das Volk gehen, ist schon ein Ding: 6000 Zuschauer waren zugelassen am Sonntag für das Spiel des VfL Wolfsburg gegen den FC Augsburg, 4632 Zuschauer kamen.

Es blieben also in der Arena noch mehr Plätze leer, als hätten leer bleiben dürfen. Gut, es war der VfL Wolfsburg und nicht so ein kultiger Klub wie etwa der 1. FC Union aus Berlin – aber es war ein Bundesligaspiel und der Gast zu dem Zeitpunkt immerhin Tabellenführer. Und es war wohl ein Indiz dafür, dass sich das Virus weiter in den Köpfen der Sportfans festsetzt.

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Das ist verständlich, jeden Tag stellt die neue Situation uns vor neue Herausforderungen, meist unliebsame. Braucht man die noch in der Freizeit, werden sich manche also sagen: Das Erlebnis im Fußballstadion hat eben nicht mehr die Leichtigkeit der Vergangenheit. Wer mit Abstand und Maske ins Stadion kommt und dort mit Singverbot allein vor sich hinsitzen muss, der bekommt nicht mehr das unbeschwerte, euphorische Freizeiterlebnis von einst. Der oder die wird in der Arena vor allem an eines erinnert: Dass es die Coronakrise gibt. Ein unbeschwertes Wochenenderlebnis ist definitiv etwas anderes.

Gut, in der Bundesliga ist es erst mal nur Wolfsburg. Aber in Vor-Corona-Zeiten waren dort (Saison 2018/2019) doch auch im Schnitt 25.481 Menschen im Stadion. Das Beispiel vom Sonntag lässt befürchten, dass die Stammkundschaft des VfL inzwischen deutlich gesunken ist.

Die Botschaft aus Wolfsburg ist eine trübe für die Bundesliga und für den Livesport überhaupt. Im Kleinen gab es sie übrigens auch schon andernorts, die Wasserfreunde Spandau bekamen ihre beschränkten Ticketkontingente auch nicht unters Volk – aber das ist eben kein Fußball.

Die Menschen entwöhnen und entfernen sich immer mehr von ihren alten Gewohnheiten. Und der Gang ins Stadion ist für viele Teil dieser alten Gewohnheiten – als es noch keine Angst vor dem Virus gab. Es wird in den kommenden Monaten oder eben Jahren eine große Herausforderung für den Profisport werden, mit dieser Situation umzugehen und seine Stammkundschaft zu halten.