Das deutsche Tennis muss jünger, moderner und sichtbarer werden

Wird jetzt alles anders im deutschen Tennis? Der nationale Verband hat seit ein paar Tagen einen neuen Präsidenten – für viele kam das überraschend. Dietloff von Arnim entschied sich kurzfristig für eine Kandidatur, sein Vorgänger Ulrich Klaus stellte sich daraufhin am vergangenen Sonntag gar nicht erst zur Wiederwahl. Hat da womöglich ein mächtiger Landesfürst geputscht?

Mitnichten. Von Armin, seit 2015 Präsident des niederrheinischen Tennisverbandes, präsentierte sich am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit und dabei versäumte er es nicht, der alten Führung für ihre Leistung zu danken. „Der DTB steht heute viel besser da als noch vor sechs Jahren“, erklärte er.

Und räumte dann auf mit einer Mär. Von wegen, dass früher alles besser gewesen sei. Man müsse aufhören, aktuelle Mitgliederzahlen mit denen von vor der Jahrtausendwende zu vergleichen. 1,4 Millionen Deutsche sind in Tennisvereinen organisiert, trotz Corona-Pandemie werden es nicht weniger. Die Lage sei stabil – und das müsse man auch mal sagen dürfen, forderte von Arnim.

Es läuft also im deutschen Tennis, ganz oben dank Angelique Kerber und Alexander Zverev und ganz unten in den kleinen Klubs. Wenn nur der Lockdown nicht wäre: „Die Leute wollen Tennis spielen. Lasst sie wieder auf die Plätze!“, appelliert von Arnim an die Politik und sieht seinen Sport nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung.

Es sind viele schöne Worte und Sätze, die der Hobby-Tennisspieler sicherlich auch gern hört. Die Wahrheit und damit die Zukunft sieht vielleicht nicht ganz so rosig aus. Die Mitgliederstruktur ist ein Problem, weil beim Nachwuchs ab 14 Jahren eine Lücke klafft. Und hinter Kerber und Zverev kommt auch an der Spitze wenig nach.

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Dazu finden die ganz großen Turniere derzeit nicht in Deutschland statt. Ja, es gibt Hamburg, Halle und bald Berlin, aber das sind keine Events auf allerhöchstem Level. Das Zuschauerinteresse am Tennis ist gering, zumindest legen das die Übertragungen im deutschen Fernsehen nahe. Tennis ist trotz vieler aktiver Spieler von der Bildfläche weitgehend verschwunden.

Von Armin verweist auf ähnliche Probleme für Golf oder die Formel 1, er wird sich daran messen lassen müssen, ob er den Verband nicht nur in ruhigem Fahrwasser halten kann, sondern den Sport tatsächlich wieder jünger, moderner und trendiger machen kann. Ideen dafür gibt es, Widerstände dagegen sicherlich auch.

„Ich denke, wir haben schöne, spannende Aufgaben vor uns”, sagt von Arnim. Ziel sei es, den Tennissport in Deutschland voranzubringen. Dafür muss der 61-Jährige nicht unbedingt alles anders machen, aber es darf sich gern etwas ändern. Und vielleicht muss es das sogar.