Das bietet das Gallery Weekend in Berlin

Das Gallery Weekend wurde wegen Corona vom Frühjahr auf den Herbst verschoben. Nun zeigt es seine besten Seiten.




Simple Tricks, grandiose Effekte. Künstler Olafur Eliasson zeigt zum Gallery Weekend seine Arbeiten in Berlin.Foto: Studio Olafur Eliasson, courtesy the artist and neugerriemschneider, photo by Jens Ziehe

Olafur Eliasson steht neben einem sich drehenden Löffel und schwärmt. Die vergangenen Monate mögen ungewohnt für jemanden gewesen sein, den der globale Kunstbetrieb sonst pausenlos um die Welt spült.

Aber Eliasson fühlt sich vom Lockdown wohl auch ein Stück weit geerdet, offen für neue Eindrücke aus seinem Berliner Atelier. Eben das bringt ihn zurück zu den Anfängen – seinen Experimenten mit Löffeln, Linsen und Licht.

Natürlich liegen ein paar Jahrzehnte zwischen der frühen, ganz ähnlichen Arbeit und jenen großen Projektionen, die nun in der Galerie Neugerriemschneider die Wände mit Slime zu überziehen scheint: Winzige Farbpunkte dehnen sich zu Flächen, ufern aus, wirken wie von Geisterhand in extreme Formen gezogen und lösen sich plötzlich auf.

Der Mechanismus ist denkbar simpel, der Effekt grandios. Das macht den Charme der Ausstellung aus und zaubert trotz aller Widrigkeiten ein Gallery Weekend, das es in sich hat. Eben weil die knapp 50 beteiligten Galerien samt ihrer Künstler*innen um ein paar extreme Erfahrungen reicher sind.

Bei Barbara Thumm war bis zuletzt unklar, ob die Künstlerin und Performerin Anna KE es wirklich von New York nach Berlin schafft, um ihre Ausstellung zu eröffnen. BQ musste sich in den vergangenen Monaten erst einmal selbst vergegenwärtigen, was ihre britische Kreativschleuder David Shrigley in jüngerer Zeit an Bildern, Plakaten und T-Shirts produziert hat, um dem Anspruch auf einen vollständigen Shrigley-Shop gerecht zu werden.

Manche haben wegen Corona neu disponiert

Überhaupt war die Frage, wer seine ursprünglich fürs Frühjahr geplanten Ausstellungen in den Herbst zu transferieren vermochte und wer sich etwas Neues für das wohl wichtigste Berliner Kunstevent einfallen lassen musste.

Galerien wie Buchmann oder Mehdi Chouakri halten an ihren Stars Bettina Pousttchi respektive Sylvie Fleury fest, Wolfgang Werner zeigt, wie schon für Mai geplant, die Kissenbilder Gotthard Graubners. Und ChertLüdde öffnet den großartigen Nachlass der Amerikanerin Rosemary Mayer mit ihren Stoffskulpturen.

[Gallery Weekend Berlin, 12. und 13.9., 12 – 19 Uhr, gallery-weekend-berlin.de]

Andere haben neu disponiert. So präsentiert man bei Kewenig die lichten Gemälde von Raimund Girke in einer atemberaubenden Hängung und Auswahl wie ein Manifest: Ab jetzt repräsentiert die wichtige Galerie das Werk des bereits 2002 verstorbenen Malers.

Die Nachricht ist neu, der Zeitpunkt also jetzt perfekt. Bloß für einen wie Wilhelm Klotzek, der ebenfalls eine erste Soloschau bei Klosterfelde Edition bestreitet, dürfte sich die jüngere Vergangenheit nahezu nahtlos in das Werk fügen: Klotzek, so heißt es in der Vorankündigung, widme sich „einmal mehr den Havarien und Merkwürdigkeiten des Lebens“