Danke RB Leipzig – für nichts

Ende Januar stöhnte die größte deutsche Wochenzeitung: „Überall Spannung, nur in der Bundesliga nicht.“ Mit „überall“ waren die anderen großen Ligen in Europa gemeint, von denen damals einige überraschende Tabellenführer vorweisen konnten. Doch kaum vier Wochen später – am Sonntagabend, kurz nach dem Leipziger Sieg bei Hertha –, erklärte die Fußballshow der „Deutschen Welle“ die Bundesliga zur „einzigen europäischen Liga mit einem echten Titelrennen“.

Das war zwar ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, denn auch in Frankreich ist es gerade eng an der Spitze, ganz zu schweigen von Malta oder Andorra. Doch die Behauptung traf den Zeitgeist. „Leipzig sei Dank: Die Spannung ist zurück in der Liga“, schrieb auch der „Kicker“.

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Nun kann man darüber streiten, ob es gut für einen Wettbewerb ist, wenn ein Team ins Titelrennen eingreift, das eine elementare Regel dieses Wettbewerbs umgeht. Nicht nur deshalb gibt es ja sehr, sehr viele Fußball-Fans, denen die 31. Meisterschaft für die Bayern allemal lieber wäre als der erste Titel für RB. Aber die Jubelarien der Medien haben noch aus einem anderen Grund einen irritierenden Unterton. Ihr erleichterter Seufzer klingt ein wenig so, als bezöge die Bundesliga ihre Spannung allein daraus, wer sich gerade mit den Bayern um Platz eins balgt.

Das trifft vielleicht auf die Fans des Rekordmeisters zu sowie auf die Anhänger seines jeweiligen Kurzzeit-Rivalen, doch für die weit überwiegende Anzahl der Menschen in diesem Land, die den Fußball mehr als nur flüchtig verfolgen, ist die Lage an der Tabellenspitze von nachrangigem Interesse. In Schalker Ohren klingt es zum Beispiel gerade wie Hohn, dass die Bundesliga am Sonntag spannend geworden sein soll. Bei neun Punkten und 21 Toren Rückstand auf den drittletzten Platz?

Die meisten Fans zittern nun mal in erster Linie mit dem eigenen Verein. Deswegen war für sie die Bundesliga auch schon im Januar spannend und wird es wohl noch bleiben, wenn das Titelrennen längst gelaufen ist. Jedenfalls sieht im Moment alles danach aus, als sei der Kampf um die europäischen Plätze ebenso offen wie der um Rang 15. Langeweile droht zwar den Freiburgern, aber die werten diesen Zustand ja traditionell als erstrebenswert, weil er auf ihrem Niveau ein Zeichen für Erfolg ist. So leiden nur die schon erwähnten Schalker wohl auf Dauer unter einem frustrierenden Mangel an Spannung in der Liga. Daran wird auch RB Leipzig nichts ändern können.