Coronavirus-Impfstreit eskaliert: Vor Krisentreffen: Erster Impfstoff-Hersteller droht mit Produktions-Stopp!

Der Streit um knappen Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca für die Europäische Union eskaliert. Das Unternehmen wehrte sich am Mittwoch gegen Vorwürfe der EU wegen Lieferengpässen und wies Brüssel einen Teil der Verantwortung zu. Darauf regierte die EU-Kommission empört. Verwirrung entstand um ein EU-Krisentreffen mit Konzernvertretern, das nun aber doch wie geplant am Mittwochabend (18.30 Uhr) stattfinden soll.

Coronavirus-News: Impfstreit zwischen EU-Kommission und eskaliert Astrazeneca eskaliert

Laut Astrazeneca könnte es zwei bis drei Monate dauern, bis Impfstoff im geplanten Umfang an die EU geliefert wird. Astrazeneca-Chef Pascal Soriot sagte der “Welt”: “Sobald wir in den nächsten Tagen die Zulassung erhalten, liefern wir drei Millionen Dosen. Dann jede Woche mehr, bis wir bei 17 Millionen sind. Die werden nach Bevölkerungszahl verteilt, für Deutschland mithin ungefähr drei Millionen in einem Monat.” Das sei “gar nicht so schlecht”

Die EU streitet mit dem britisch-schwedischen Hersteller, seit dieser eine Lieferkürzung nach der für diese Woche erwarteten Zulassung angekündigt hatte. Statt erwarteter 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal sollen nach EU-Angaben nur 31 Millionen ankommen. Den angegebenen Grund – Probleme in der Lieferkette – will die EU nicht gelten lassen. Für Mittwochabend wurde Astrazeneca erneut zum Krisentreffen geladen. EU-Kreise erklärten zunächst, das Unternehmen habe abgesagt. Doch dann teilte Astrazeneca mit, die Gespräche würden stattfinden. EU-Kreise bestätigten dies dann auch.

Krisentreffen im Impft-Streit: Alle aktuellen Entwicklungen im News-Ticker

Der Streit zwischen EU und Impfstoff-Hersteller Astrazeneca droht zu eskalieren. Nachdem die Staatengemeinschaft sowie Deutschland mit Ausfuhrkontrollen oder gar -verbot gedroht haben, machen die Impfstoff-Hersteller Front. Die aktuellen Entwicklungen lesen Sie in unserem News-Ticker:

+++ Insider zu Impf-Streit mit EU: “Das wäre das Ende der Impfstoff-Produktion” +++

Der Streit um die Impflieferungen zwischen der EU und Astrazeneca geht in die nächste Runde. Nachdem hochrangige EU-Politiker wie zuletzt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Ton verschärft hatten, schießen nun die Manager der Pharma- und Biotech-Firmen gegen die EU.

Glaubt man Medienberichten kamen die Androhungen der EU, Exportverbote oder -kontrollen für Impfstoffe einzuführen, bei den Unternehmen alles andere als gut an. Ein Manager eines Impfstoffherstellers sagte zu “Bild”: “Sollte das kommen, dann wäre das das Ende der Impfstoff-Produktion.”

+++ EU-Kommissarin: Astrazeneca zur Impfstoff-Lieferung verpflichtet +++

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hat erneut an den Pharmakonzern Astrazeneca appelliert, die vertraglich vereinbarte Menge Corona-Impfstoff fristgerecht an die EU-Staaten zu liefern. “Wir stecken in einer Pandemie, und wir verlieren jeden Tag Menschen”, sagte Kyriakides am Mittwoch in Brüssel. Die Hersteller von Impfstoffen hätten eine “moralische, gesellschaftliche und vertragliche Verantwortung”.

Die EU-Kommission hat einen Rahmenvertrag mit Astrazeneca über bis zu 400 Millionen Impfstoffdosen. Der Konzern hat jedoch angekündigt, nach der für Freitag erwarteten Zulassung des Impfstoffs im ersten Quartal nur einen kleinen Teil der zugesagten Menge zu liefern. Als Grund wurden Produktionsprobleme in einem Werk in Belgien angegeben. Die EU lässt das nicht gelten, zumal der Konzern noch in drei anderen Werken produziere.

+++ “Nicht vertraglich verpflichtet”: Astrazeneca-Chef weht sich gegen Vorwürfe der EU +++

Astrazeneca-Chef Soriot sagte in dem “Welt”-Interview, in der EU werde der Impfstoff in Belgien und den Niederlanden produziert. Dort sei bei einer Anlage leider der Ertrag sehr niedrig. Sein Unternehmen sei vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen verpflichtet. Vielmehr habe man nur einen “best effort” zugesagt, sich also im besten Sinne zu bemühen.

In Großbritannien habe es anfangs auch Schwierigkeiten gegeben. “Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor dem mit Brüssel geschlossen.” Die Anlagen mit der niedrigsten Produktivität lägen nun einmal in Europa. “Das machen wir ja nicht mit Absicht!” Sein Team arbeite rund um die Uhr, um die Probleme zu lösen. Aus Kommissionskreisen hieß es jedoch, es sei nicht verständlich, warum nicht in Großbritannien produzierte Impfstoffdosen an die EU geliefert würden. Wesentliche Aussagen aus dem Interview Soriots bestreite man, hieß es aus den Kreisen.

+++ EU hatte 400 Millionen Impfdosen von Astrazeneca bestellt +++

Die EU hatte im August bis zu 400 Millionen Impfdosen von Astrazeneca bestellt und nach eigenen Angaben 336 Millionen Euro für Entwicklung und Fertigung vorgestreckt. Nach Darstellung der EU-Kommission hätte Astrazeneca seit Oktober auf Halde produzieren müssen, damit der Impfstoff sofort nach der Zulassung in der EU bereitsteht.

Die Brüsseler Behörde steht selbst in der Kritik, weil Impfstoff in der EU knapp ist und bisher prozentual weit weniger Menschen immunisiert wurden als etwa in Großbritannien oder Israel. Das liegt zum Teil daran, dass die Mittel in der EU eine Marktzulassung statt nur eine Notfallzulassung bekommen sollen – und das dauert länger. So hat die Impfkampagne später begonnen.

+++ Auch Biontech/Pfizer hat Produktionsprobleme +++

Inzwischen sind Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Auch Biontech/Pfizer hatte zwischenzeitlich Produktionsprobleme, allerdings wohl nur kurzfristig. Der französische Pharmakonzern Sanofi kündigte am Mittwoch an, ab Sommer mehr als 125 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für die EU im Sanofi-Werk in Frankfurt zu produzieren.

Der Impfstoff von Astrazeneca wäre das dritte in der EU zugelassene Corona-Vakzin. Fragezeichen gibt es aber noch, ob dieser für ältere Menschen freigegeben wird. Experten der EU-Arzneimittelagentur EMA prüfen derzeit die Daten der klinischen Tests und wollen am Freitag eine Zulassungsempfehlung abgeben. EMA-Chefin Emer Cooke schloss am Dienstag nicht aus, dass diese auf bestimmte Altersgruppen begrenzt werden könnte.

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sba/news.de/dpa