Coronavirus-Impfstoff im News-Ticker: Impfgipfel schon am Montag! Biontech darf in Deutschland produzieren

Der Streit um knappen Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca für die Europäische Union eskaliert. Das Unternehmen wehrte sich am Mittwoch gegen Vorwürfe der EU wegen Lieferengpässen und wies Brüssel einen Teil der Verantwortung zu. Darauf regierte die EU-Kommission empört. Die Bundesregierung will nun mit einem Impfgipfel von Bund und Ländern auf die wachsende Kritik an der Impfkampagne zur Eindämmung der Corona-Pandemie reagieren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dämpfte aber bereits Hoffnungen auf eine rasche Bereitstellung zusätzlicher Impfdosen.

Krisentreffen im Impft-Streit: Alle aktuellen Entwicklungen im News-Ticker

Alle aktuellen Meldungen rund um den Corona-Impfstoff und die Impfstrategie in Deutschland lesen Sie in unserem News-Ticker.

+++ Corona-Impfpass: EU-Experten einig über Eckpunkte +++

Die Europäische Union treibt die Einführung von Corona-Impfpässen voran. Wie die EU-Kommission am Donnerstag mitteilte, haben sich die EU-Staaten auf Empfehlungen geeinigt, welche Informationen solche Dokumente enthalten sollen. Ziel ist die Vergleichbarkeit und gegenseitige Anerkennung in den 27 Staaten.

Impfnachweise sollen demnach sowohl in Papier- als auch in elektronischer Form möglich sein. Neben Basisinformationen etwa zu Personalien, dem verwendeten Impfstoff und der ausstellenden Behörden soll es eine Art elektronisches Siegel geben, etwa einen QR-Code oder eine Registrierung. Ziel sei, den Impfstatus einer Person rasch und eindeutig festzustellen, heißt es in den Richtlinien. Später könnten damit auch weitere Informationen verlinkt werden.

Die Richtlinien werden nun weiter beraten und ausgearbeitet. Wann die vergleichbaren Impfzertifikate eingeführt werden, blieb offen. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erklärte: “Gegenseitig anerkannte Impfnachweise werden ein wichtiges Instrument für die Bürger während der Pandemie, aber auch, nachdem wir sie überwunden haben.”

+++ EMA: Zweite Impfung mit Pfizer-Vakzin innerhalb von drei Wochen +++

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Richtlinien für die Anwendung des Corona-Impfstoffes der Hersteller Pfizer und Biontech verschärft. Danach muss die zweite Dosis innerhalb von drei Wochen gespritzt werden, wie aus dem am Donnerstag in Amsterdam veröffentlichten Beschluss hervorgeht. Zuvor hatten die Experten empfohlen, dass zwischen der ersten und zweiten Impfdosis “mindestens 21 Tage” liegen sollten. Nun wird klar von drei Wochen gesprochen, und es wird davon abgeraten, die Zeitspanne zu verlängern.

Verschiedene Länder, darunter die Niederlande, hatten aber beschlossen, wegen des Mangels an Impfstoffen, die zweite Pfizer-Dosis erst nach etwa sechs Wochen zu spritzen. Dadurch sollten mehr Menschen geimpft werden können. Der volle Schutz vor einer Corona-Infektion wird erst nach der Impfung mit beiden Dosen erzielt.

Die EMA weist nun mit Nachdruck daraufhin, dass bei einer längeren Pause die Wirksamkeit nicht sicher sei: “Es gibt zurzeit keine klinischen Daten über die Wirksamkeit des Impfstoffes, wenn dieser nicht im Intervall der klinischen Versuche verabreicht wird.” Die EMA weist daraufhin, dass mehr als 93 Prozent der Testpersonen bei den klinischen Versuchen die zweite Dosis des Impfstoffes 19 bis 23 Tage nach der ersten bekamen. Auf dieser Basis sei auch die Wirksamkeit des Stoffes von etwa 95 Prozent festgestellt worden.

+++ Genehmigung da! Biontech darf in Deutschland produzieren +++

Das Mainzer Unternehmen Biontech hat auch die arzneimittelrechtliche Erlaubnis zur Herstellung von Corona-Impfstoff in seinem Werk im hessischen Marburg erhalten. Das teilte das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt am Donnerstag mit. Vor zwei Wochen hatte Biontech bereits die Genehmigung zum Betrieb seiner Anlage für die Produktion des Mittels bekommen – in dem Fall war das RP Gießen zuständig.

Nach Angaben eines Sprechers der Darmstädter Behörde steht noch ein weiterer formaler Schritt an: Um den in Marburg hergestellten Impfstoff in der Europäischen Union vermarkten zu können, sei noch eine Genehmigung der EU-Arzneimittelagentur EMA nötig.

Im ersten Halbjahr 2021 sollen in Marburg 250 Millionen Dosen des Impfstoffes von Biontech und seines US-Partners Pfizer hergestellt werden. Als Gesamtmenge einer Jahresproduktion streben die Mainzer nach eigenen Angaben hier 750 Millionen Dosen an. In Marburg sollen drei der vier nötigen Produktionsschritte erfolgen. Biontech hatte das Werk vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen. Biontech plant – so die letzte Ankündigung – im Februar mit dem Produktionsstart in Marburg. Dem Unternehmen zufolge vergehen zwischen der Herstellung und Freigabe des kontrollierten Vakzins dann üblicherweise etwa vier Wochen.

+++ Impfgipfel findet am Montag statt +++

Angesichts der Corona-Impfmisere planen Bund und Länder ein Spitzentreffen am kommenden Montag. Der Termin für einen sogenannten Impfgipfel wurde der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag aus Kreisen der Länder und des Bundes bestätigt, nachdem zunächst das Wirtschaftsmagazin «Business Insider» berichtet hatte. Weil es bei den Impfstofflieferungen seit Wochen ruckelt und Hersteller wiederholt geringere Mengen in Aussicht stellten, als zunächst geplant, hatten mehrere SPD-Politiker einen Impfgipfel gefordert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuletzt offen für eine solche Runde gezeigt, an der voraussichtlich auch die Impfstoff-Hersteller teilnehmen sollen.

Spahn erwiderte: “Vertrauen in dieser Krise erhalten wir nur, wenn Bund und Länder an einem Strang ziehen.”Auf dem Impfgipfel von Bund und Ländern werde über die Lage, die Ziele und das weitere Vorgehen gesprochen. Die Impfstoffhersteller sollten dazu zu einem Expertengespräch eingeladen werden. “Eine Impfstoff-Produktion lässt sich nicht in vier Wochen mal eben aufbauen”, so Spahn. “Wenn das in wenigen Monaten gelingt, ist das schon sehr schnell.” Konkret erhofft sich Spahn nach eigenen Worten für den geplanten Gipfel eine Übersicht darüber, “welche Kooperationen der Industrie untereinander es bereits gibt – und wo wir noch unterstützen können”.

+++ Impfstoffstreit: EU-Vertrag mit Astrazeneca soll öffentlich werden +++

Im Impfstoffstreit soll der Vertrag der EU-Kommission mit dem Hersteller Astrazeneca rasch in redigierter Form veröffentlicht werden. Dem habe das Unternehmen grundsätzlich zugestimmt, bestätigten Kommissionskreise am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Es werde nun besprochen, welche Teile aus Gründen der Vertraulichkeit geschwärzt würden. Zuvor hatte die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” darüber berichtet.

Die Zeitung berichtete auch, dass Astrazeneca-Chef Pascal Soriot einen Teil der angekündigten Lieferkürzung zurücknehmen wolle. Nach Angaben von EU-Politikern hatte die Firma vorige Woche erklärt, statt 80 Millionen Impfdosen im ersten Qurartal nur 31 Millionen an die EU zu liefern. Jetzt zitiert das Blatt einen EU-Vertreter mit den Worten: “Es ist nicht wahrscheinlich, dass wir am Ende doch noch auf 80 Millionen kommen. Aber es sollten doch deutlich mehr werden als 31.”

Die EU-Kommission und Vertreter der 27 Mitgliedsstaaten hatten am Mittwochabend ein Krisengespräch mit Soriot geführt. Sie sind empört über die angekündigte Kürzung und pochen auf fristgerechte Erfüllung des Liefervertrags über insgesamt bis zu 400 Millionen Impfdosen.

+++ AstraZeneca-Impfstoff wohl nur für unter 65-Jährige +++

Ein drittes Vakzin soll nach den Präparaten von Biotech/Pfizer und Moderna an diesem Freitag in der EU zugelassen werden – das des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca. Doch überschattet wird dies von schlechten Nachrichten: Für Ältere wird der Impfstoff von der Ständigen Impfkommission (Stiko) nicht empfohlen, sondern nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren, wie das am Robert Koch-Institut angesiedelte Gremium mitteilte. “Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren liegen aktuell keine ausreichenden Daten vor.”

Für die stark gefährdete Gruppe der älteren Senioren falle das Astrazeneca-Präparat erst einmal flach, stellte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fest. Für sie sollten deshalb die anderen beiden Impfstoffe reserviert werden, forderte er. Ärzte, Pflegepersonal und andere priorisierte Berufsgruppen sollten dafür den Astrazeneca-Impfstoff bekommen.

+++ Pharmaindustrie sagt Bund bei Impfstoffbeschaffung Unterstützung zu +++

Die Pharmaindustrie sagt der Bundesregierung ihre Unterstützung bei der Beschaffung zusätzlichen Impfstoffs zu. “Wir stehen zu unserer Verantwortung”, erklärte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) am Donnerstag. “Der BPI steht bereits seit Dezember vergangenen Jahres mit dem Bundesgesundheitsministerium im Austausch und unterstützt die Bundesregierung in Sachen Impfstoffbeschaffung nach besten Kräften.” So hatte der Verband seine Mitgliedsunternehmen nach weiteren Produktionskapazitäten befragt.

Auch am geplanten Impfgipfel will der Verband sich beteiligen, obwohl in der Industrie ursprünglich Zweifel am Sinn solcher politischer Veranstaltungen herrschte. “Wenn die Bundesregierung einen weiteren Impfgipfel anstrebt, stehen wir als pharmazeutische Industrie selbstverständlich für weitere Unterstützung zur Verfügung”, hieß es in der Stellungnahme. Anlass des geplanten Impfgipfels sind die mehrfachen Verspätungen bei der Impfstofflieferung.

+++ Eine Festnahme nach verdächtigem Paketfund bei Astrazeneca-Zulieferer +++

Nach dem Fund eines verdächtigen Paketes bei einem Zulieferer des Impfstoffherstellers Astrazeneca in Wales hat die Polizei einen Mann festgenommen, der damit in Verbindung stehen soll. Der 53-Jährige aus Chatham im Südosten von England werde verdächtigt, das Paket verschickt zu haben, teilte die Polizei der Grafschaft Kent am Donnerstag mit. Der Mann sei nun in Untersuchungshaft, während man weiter ermittle.

Das Paket war am Mittwoch bei einem Zulieferer des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers Astrazeneca entdeckt und von Sprengstoffexperten gesichert und zu Untersuchungen abtransportiert worden. Ob sich darin Sprengstoff befand, blieb zunächst unklar.

Das Unternehmen Wockhardt hatte sein Werk im walisischen Wrexham zeitweise geräumt. Dort finden wichtige Schritte zur Herstellung des Coronavirus-Impfstoffs von Astrazeneca statt. Die Polizei hatte mehrere Straßen gesperrt und die Bevölkerung aufgefordert, die Umgebung zu meiden. Später wurde die Produktion wieder aufgenommen. Astrazeneca betonte, die Produktion des Impfstoffs sei durch den Vorfall nicht beeinträchtigt worden.

+++ Biontech/Pfizer: Wohl kein neuer Impfstoff gegen Varianten nötig +++

Der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer dürfte nach Herstellerangaben auch vor den zunächst in Großbritannien und Südafrika entdeckten Virusvarianten schützen. “Diese Ergebnisse deuten nicht auf die Notwendigkeit eines neuen Impfstoffs gegen die neu auftretenden Varianten hin”, erklärten die beiden Firmen am Donnerstag zu einer Studie. Sie konnten im Labor zeigen, dass der Impfstoff eine neutralisierende Antikörperantwort gegen solche Sars-CoV-2-Viren auslöst, die Schlüsselmutationen der Varianten aus Großbritannien und Südafrika tragen. Die Studie wurde bislang jedoch nicht von externen Experten begutachtet und in einem Fachjournal veröffentlicht.

In der Untersuchung von Pfizer und der University of Texas Medical Branch wurde auch festgestellt, dass Geimpfte gegen die Variante aus Südafrika aber offenbar eine etwas schwächere Immunantwort aufbauen. “Die bisher beobachteten kleinen Unterschiede in der Virusneutralisation zwischen den Virusvarianten führen vermutlich nicht zu einer signifikant verringerten Wirksamkeit des Impfstoffs”, erklärten die Hersteller.

Diese frühen Ergebnisse seien “sehr ermutigend”, hieß es. Man wolle neu auftretende Stämme weiter beobachten und die Impfstoffwirksamkeit bei Geimpften weiterhin überprüfen. Falls in Zukunft nötig, könne voraussichtlich eine Anpassung des Impfstoffs erfolgen, so Pfizer und Biontech.

Der Hersteller Moderna hatte vor einigen Tagen angekündigt, die Wirkung einer zusätzlichen Auffrischungsdosis zu testen. Deutschland und anderen Ländern bereitet große Sorgen, dass ansteckendere Mutanten des Coronavirus die Infektionslage massiv verschlechtern könnten. In Großbritannien hatte sich die Variante B.1.1.7 rasch verbreitet, in Südafrika war es B.1.351. Auch in Deutschland gibt es bereits einige Nachweise dieser Mutanten, aber noch keine repräsentativen Daten.

+++ Belgische Behörden inspizieren im Impfstreit Astrazeneca-Werk +++

Im Impfstoff-Streit mit Astrazeneca haben belgische Behörden auf Bitten der EU-Kommission einen Produktionsstandort des Pharmaunternehmens in Belgien inspiziert. Dies meldete die Nachrichtenagentur Belga. Die EU-Kommission wollte sich am Donnerstag zu Hintergrund und Ergebnis der Aktion allerdings nicht äußern.

Laut Belga beauftragte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke die Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte damit, den Standort in Seneffe zu besuchen. Dieser ist Teil der europäischen Produktionskette von Astrazeneca. Man habe prüfen wollen, ob die vom Unternehmen ankündigten Lieferverzögerungen tatsächlich mit Problemen in dem belgischen Werk zusammenhingen, hieß es am Mittwochabend unter Berufung auf das Kabinett des Ministers.

Astrazeneca hatte der EU mitgeteilt, nach der für Freitag erwarteten Zulassung zunächst viel weniger seines Impfstoffs liefern zu wollen als vertraglich vereinbart. Das Unternehmen begründete dies mit Problemen in der europäischen Lieferkette. In der EU produziert es in Belgien und den Niederlanden.

+++ Scholz dringt auf schnellere Impfung – Pharmahersteller zuschalten +++

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) dringt auf eine schnellere Impfung gegen das Coronavirus und will dafür bei einem Impfgipfel von Bund und Ländern auch Pharmaunternehmen zuschalten. “Ziel dieser Runde muss es sein, eine gemeinsame nationale Anstrengung auf den Weg zu bringen, die Produktion und Verteilung von Impfstoff in Deutschland zu beschleunigen”, sagte der Finanzminister der Deutschen Presse-Agentur. Dabei sollten die Pharmafirmen mitsprechen. Parallel müssten überall Kapazitäten geschaffen werden, damit in kurzer Zeit so viele Bürger wie möglich geimpft werden könnten. Die Impfung sei “der Ausweg aus der Pandemie”, deshalb müsse sie «nun endlich oberste Priorität haben”, forderte Scholz.

Mehrere SPD-Politiker und auch die FDP hatten angesichts der schleppend anlaufenden Impfkampagne einen Impfgipfel angeregt. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich dafür offen gezeigt. Der CDU-Politiker schlug am Donnerstag ein gesondertes Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder vor. Auch Spahn hatte bereits angeregt, Vertreter der Pharmahersteller könnten teilnehmen.

+++ Stiftung Patientenschutz: Gipfel bringt nicht schnell mehr Impfstoff +++

Die Menschen in Deutschland können nach Expertenansicht auch durch einen Impfgipfel von Bund und Ländern nicht rasch auf mehr Corona-Impfungen hoffen. “Die Kapazitäten können nicht binnen zwei oder drei Monaten über den bisherigen Plan vergrößert werden”, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vorgeschlagen, dass Bund und Länder auf einer eigenen Ministerpräsidentenkonferenz nur zum Impfen über die Lage, die Ziele und das weitere Vorgehen beraten sollten. Zuerst hatte die SPD einen Impfgipfel gefordert.

“Ein Impfstoffgipfel wird den Menschen in Deutschland in den nächsten Monaten nicht eine zusätzliche Ampulle mehr bringen”, sagte Brysch. “Wenn nun zusätzliche Milliarden in die Hand genommen werden sollten, um mittelfristig weitere Produktionskapazitäten zu schaffen, kann das sinnvoll sein.” Es bestehe dann aber auch das Risiko, dass die Impfstoffproduktion bis dahin ohnehin wie geplant hochgefahren ist und nun aufgebaute zusätzliche Kapazitäten dann gar nicht gebraucht würden. Insofern könne ein Impfgipfel dazu beitragen, neuen Parteienstreit zu vermeiden: “Dann sollten die politischen Parteien auch zusammenstehen, anstatt sich dann darüber zu streiten.”

Brysch forderte die Bundesregierung zu Transparenz und Ehrlichkeit auf. Sie sollte seiner Ansicht nach zugeben: “Die Fehler sind im letzten Jahr gemacht worden und lassen sich durch Konferenzen jetzt nicht beheben.”

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+++ Europapolitiker: Leichte Bewegung im Astrazeneca-Impfstreit +++

Im Impfstoffstreit der Europäischen Union mit Astrazeneca sieht der CDU-Europapolitiker Peter Liese erste Bewegung. Statt nur einer Lieferung seines Corona-Impfstoffs im Februar erwäge der Pharmakonzern nun drei, sagte Liese am Donnerstag. Zudem habe sich der Hersteller bereiterklärt, bereits eine Woche nach der Zulassung zu liefern statt nach zwei Wochen. Der Druck auf das Unternehmen trage erste Früchte.

Die EU-Kommission und die 27 Mitgliedsstaaten streiten mit dem britisch-schwedischen Unternehmen, seit dieses eine drastische Lieferkürzung für die EU angekündigt hatte. Nach EU-Angaben soll nur ein Viertel der bestellten Menge ankommen. Doch brachte auch ein Krisentreffen mit Unternehmenschef Pascal Soriot am Mittwochabend keinen Durchbruch. Wann die vertraglich vereinbarte Menge kommt, ist weiter offen.

Der Grünen-Politiker Sven Giegold forderte, die Lizenz des Impfstoffs nach einer Vergütung für die Entwickler zum Gemeingut zu erklären. “Den Impfstoff von Astrazeneca könnten viele andere Unternehmen herstellen”, erklärte Giegold. “Der Patentschutz verhindert, dass wir bei der Impfstoffproduktion die Möglichkeiten der Industrie voll ausnutzen.”

Der CDU-Politiker Liese äußerte sich zuversichtlich über einen weiteren Impfstoff, das Mittel des Herstellers Johnson&Johnson. Die Daten der klinischen Tests würden für Freitag oder Montag erwartet. “Wenn die Daten gut sind, und ich habe keinen Grund zu glauben, dass sie es nicht sind, haben wir einen vierten Impfstoff, und der Vorteil ist, dass er nur einmal verabreicht werden muss”, sagte Liese. Die EU habe 200 Millionen Dosen bestellt, mit der Option auf weitere 200 Millionen. Er hoffe, dass das Mittel im Frühjahr zur Verfügung stehe.

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+++ Spahn bereit zu Impfgipfel – Für Verhandlungslösung mit Astrazeneca +++

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich offen gezeigt für einen sogenannten Impfgipfel, wie er etwa von SPD-Politikern gefordert wird. Im Radiosender NDR Info schlug er am Donnerstag ein gesondertes Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder vor, an dem auch Vertreter der Pharmahersteller teilnehmen sollten. Inhaltlich muss es nach seinen Worten darum gehen, wie das weitere Vorgehen gegen die Pandemie aussehen kann.

Mehrere SPD-Politiker und auch die FDP hatten angesichts des Impfstoffmangels und der schleppend anlaufenden Impfkampagne wiederholt ein solches Treffen gefordert, darunter die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, und Brandenburg, Malu Dreyer und Dietmar Woidke (beide SPD). SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte der Deutschen Presse-Agentur: “Wir brauchen einen klaren Plan, wie wir das Impfen in Deutschland schneller hinbekommen.” Und: “Dafür ist es wichtig, dass alle Ebenen jetzt zusammenkommen.”

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie hatte sich vor Wochen eher ablehnend zu einem Gipfel geäußert. “Die akuten Fragestellungen sind nicht politischer, sondern regulatorischer und technologischer Natur. Diese Fragen können nicht auf einem Gipfel mit der Politik beantwortet werden”, hatte Verbandschef Hans-Georg Feldmeier der dpa gesagt.

Im Streit der EU-Kommission mit dem Pharmakonzern Astrazeneca um seine Impfstofflieferungen setzt Spahn auf eine Verhandlungslösung. Eine lange juristische Auseinandersetzung über die Offenlegung von Lieferverträgen helfe in der jetzigen Lage nicht weiter. “Das ist das Letzte, was wir brauchen”, sagte Spahn NDR Info. Stattdessen müsse es um eine faire Verteilung des Impfstoffs gehen. Er setze auf ein einvernehmliches Ergebnis. “Das ist sicher der bessere Weg.”

In dem Streit hatte auch ein weiteres Krisengespräch am Mittwochabend keinen Durchbruch gebracht. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides lobte zwar den konstruktiven Ton. Aber in der Sache hat sich vorerst nichts geändert: Große Mengen Impfstoff, die in Deutschland und anderen Ländern dringend erwartet werden, werden wohl Wochen oder Monate später kommen. Laut EU-Kommission wird vorerst nur ein Viertel der erwarteten Menge ankommen. Die EU hat einen Rahmenvertrag über 400 Millionen Impfdosen mit Astrazeneca. Das Präparat wird voraussichtlich am Freitag in der EU zugelassen.

+++ SPD-Vize Midyatli fordert Impfstoff-Gipfel auf europäischer Ebene +++

Angesichts der akuten Knappheit an Corona-Impfstoffen hat SPD-Bundesvize Serpil Midyatli einen europäischen Impfstoff-Gipfel gefordert. “Es müssen alle Hersteller und Zulieferer an einen Tisch mit der Europäischen Kommission, um schnellstmöglich zu klären, wer noch welche Kapazitäten hat und wer schnell Produktionsstätten, Logistik und andere Dinge zur Verfügung stellen kann”, sagte Midyatli der Deutschen Presse-Agentur. Die “Impfstoffkrise” lasse sich nur im Schulterschluss bewältigen.

“Dieses Hickhack um Verträge und wer woran Schuld ist, bringt niemanden weiter”, sagte Midyatli. Sie zeigte Verständnis für die Hersteller, die zunächst hauptsächlich Länder beliefern, die viele Monate vor der EU Impfstoffe bestellt und auch einen viel höheren Preis bezahlt hätten. “Zusätzliche Produktionsstätten errichtet man nun mal nicht von heute auf morgen.” Die teilweise sehr kurzfristigen Ankündigungen einiger Hersteller seien aber kein Ausweis großer Zuverlässigkeit.

“Zweifellos handelt es sich um die größte globale Krise seit Jahrzehnten”, sagte Midyatli. Sie begrüße Ankündigungen des Sanofi-Konzerns, trotz Konkurrenz zu anderen Firmen Kapazitäten bereitzustellen. “Aufgabe der Politik ist es, diejenigen, die ihre Ressourcen zur Verfügung stellen, von finanziellen Schäden beispielsweise bei der Verzögerung eigener Produkte frei zu halten.”

+++ SPD fordert klaren Plan für schnellere Impfungen +++

Die SPD dringt auf eine Beschleunigung der Corona-Impfungen in Deutschland. “Wir brauchen einen klaren Plan, wie wir das Impfen in Deutschland schneller hinbekommen”, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. “Dafür ist es wichtig, dass alle Ebenen jetzt zusammenkommen.” Bereits die SPD-Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und Brandenburg, Dietmar Woidke, hatten am Mittwoch einen Impfgipfel von Bund, Ländern und Wirtschaftsvertretern gefordert.

Hintergrund ist unter anderem der Streit der Europäischen Union mit dem Pharmakonzern Astrazeneca. Der Impfstoff des Herstellers wird voraussichtlich zunächst in weit geringen Mengen nach Deutschland und andere Länder geliefert als zunächst erwartet. Das Präparat wird voraussichtlich am Freitag in der EU zugelassen. Bei einem Krisentreffen am Mittwochabend hatte das Unternehmen keine zusätzlichen Lieferungen zugesagt. Auch der Hersteller Biontech/Pfizer, dessen Präparat bereits eingesetzt wird, hatte zwischenzeitlich Produktionsprobleme.

“Es gibt gerade einen Rückschlag nach dem anderen”, sagte Klingbeil. “Mich beunruhigt, dass Deutschland seinen Vorsprung in der Corona-Krise vom letzten Frühjahr wegen des Impfchaos’ verspielt.” Etwa das Impfzentrum in seinem Wahlkreis in der Lüneburger Heide sei seit Dezember startklar – doch wann es losgehe, wisse man dort nicht. Klingbeil: “Wir brauchen jetzt Transparenz über die Verträge und über Nachbestellungen von Impfstoffen, und wir brauchen eine bessere Kommunikation zwischen allen Ebenen.”

Klingbeil warf Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor, Vertrauen verspielt zu haben. “Bis Ende Januar sollten alle Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in ganz Deutschland geimpft sein.” Zum Sommer sollte zudem jedem Menschen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden – zuletzt habe es dann doch geheißen: bis Sommerende am 21. September. “Jedes Impfversprechen, was Spahn gibt, hat gerade maximal eine oder zwei Wochen Bestand”, sagte der SPD-Politiker. “Dadurch geht Vertrauen verloren bei den Menschen.” Vom Wendepunkt der Pandemie, zu dem die Impfkampagne werden sollte, sei noch nicht viel zu spüren. Dabei gelte: «Das beste Mittel gegen Corona ist nicht der Lockdown, es ist das Impfen.»

Das wichtigste Instrument, das Politik in einer Krise habe, sei eine vertrauensvolle Kommunikation, die den Menschen Klarheit gebe und Wege aus der Krise aufzeige. “Ich habe Angst, dass wir die Menschen durch vollmundige Ankündigungen verlieren, die wir gerade nicht einhalten können”, mahnte Klingbeil.

Klingbeil wies Vorwürfe zurück, nach denen die SPD es sich mit Kritik an Spahns Impfkampagne aus taktischen Gründen zu leicht mache. Die öffentliche Debatte führe zu mehr Tempo, sagte Klingbeil. “Und das ist gut. Denn jede Kritik hat zum Ziel, dass wir besser werden.”

+++ Erster Politiker spricht von “Impfstoff-Krieg” +++

Der Impfstoffstreit zwischen EU und Pharma-Riese AstraZeneca könnte einen Handelskrieg auslösen! Noch während des Krisen-Gipfels zwischen der EU und Astrazeneca drohte der CDU-Politiker Peter Liese bei “T-Online”: “Wir wollen keinen Impfstoff-Krieg, aber wir werden auch nicht in die Röhre schauen.”

+++ Auch Dreyer fordert Impfgipfel – Druck von der SPD +++

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will einen Impfgipfel. “Überall in Deutschland stehen Impfstraßen weitgehend leer, denn die zugesagten Impfstoffe werden nicht wie versprochen geliefert”, sagte Dreyer am Mittwoch dem “Spiegel”. Auf dem Gipfel sollten verbindliche Absprachen über die Lieferung der Corona-Impfstoffe getroffen werden. “Wir brauchen einen klaren und transparenten Impfstoffplan für die kommenden Monate”, sagte Dreyer.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte einen Impfgipfel von Bund, Ländern und Wirtschaftsvertretern gefordert – möglichst noch vor Ende kommender Woche, schrieb Woidke am Mittwoch an den Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Die Verschiebung von Impfterminen sorgten für große Verunsicherung. “Wir könnten viel mehr impfen, wenn wir mehr Dosen hätten”, sagte Müller. “Wir benötigen daher dringend mehr Sicherheit, wann mit welchen Liefermengen zu rechnen ist. Auf einem gemeinsamen Impfgipfel auch mit Akteuren aus der Pharmabranche sollten wir gemeinsam klären, wie die Produktionskapazitäten erweitert werden können und wie zudem eine langfristige Impfstrategie aussehen kann. Ohne eine solide Planung verlieren wir zunehmend auch das Vertrauen der Bevölkerung.”

+++ Insider zu Impf-Streit mit EU: “Das wäre das Ende der Impfstoff-Produktion” +++

Der Streit um die Impflieferungen zwischen der EU und Astrazeneca geht in die nächste Runde. Nachdem hochrangige EU-Politiker wie zuletzt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Ton verschärft hatten, schießen nun die Manager der Pharma- und Biotech-Firmen gegen die EU.

Glaubt man Medienberichten kamen die Androhungen der EU, Exportverbote oder -kontrollen für Impfstoffe einzuführen, bei den Unternehmen alles andere als gut an. Ein Manager eines Impfstoffherstellers sagte zu “Bild”: “Sollte das kommen, dann wäre das das Ende der Impfstoff-Produktion.”

+++ EU-Kommissarin: Astrazeneca zur Impfstoff-Lieferung verpflichtet +++

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hat erneut an den Pharmakonzern Astrazeneca appelliert, die vertraglich vereinbarte Menge Corona-Impfstoff fristgerecht an die EU-Staaten zu liefern. “Wir stecken in einer Pandemie, und wir verlieren jeden Tag Menschen”, sagte Kyriakides am Mittwoch in Brüssel. Die Hersteller von Impfstoffen hätten eine “moralische, gesellschaftliche und vertragliche Verantwortung”.

Die EU-Kommission hat einen Rahmenvertrag mit Astrazeneca über bis zu 400 Millionen Impfstoffdosen. Der Konzern hat jedoch angekündigt, nach der für Freitag erwarteten Zulassung des Impfstoffs im ersten Quartal nur einen kleinen Teil der zugesagten Menge zu liefern. Als Grund wurden Produktionsprobleme in einem Werk in Belgien angegeben. Die EU lässt das nicht gelten, zumal der Konzern noch in drei anderen Werken produziere.

+++ “Nicht vertraglich verpflichtet”: Astrazeneca-Chef weht sich gegen Vorwürfe der EU +++

Astrazeneca-Chef Soriot sagte in dem “Welt”-Interview, in der EU werde der Impfstoff in Belgien und den Niederlanden produziert. Dort sei bei einer Anlage leider der Ertrag sehr niedrig. Sein Unternehmen sei vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen verpflichtet. Vielmehr habe man nur einen “best effort” zugesagt, sich also im besten Sinne zu bemühen.

In Großbritannien habe es anfangs auch Schwierigkeiten gegeben. “Aber der Vertrag mit den Briten wurde drei Monate vor dem mit Brüssel geschlossen.” Die Anlagen mit der niedrigsten Produktivität lägen nun einmal in Europa. “Das machen wir ja nicht mit Absicht!” Sein Team arbeite rund um die Uhr, um die Probleme zu lösen. Aus Kommissionskreisen hieß es jedoch, es sei nicht verständlich, warum nicht in Großbritannien produzierte Impfstoffdosen an die EU geliefert würden. Wesentliche Aussagen aus dem Interview Soriots bestreite man, hieß es aus den Kreisen.

+++ EU hatte 400 Millionen Impfdosen von Astrazeneca bestellt +++

Die EU hatte im August bis zu 400 Millionen Impfdosen von Astrazeneca bestellt und nach eigenen Angaben 336 Millionen Euro für Entwicklung und Fertigung vorgestreckt. Nach Darstellung der EU-Kommission hätte Astrazeneca seit Oktober auf Halde produzieren müssen, damit der Impfstoff sofort nach der Zulassung in der EU bereitsteht.

Die Brüsseler Behörde steht selbst in der Kritik, weil Impfstoff in der EU knapp ist und bisher prozentual weit weniger Menschen immunisiert wurden als etwa in Großbritannien oder Israel. Das liegt zum Teil daran, dass die Mittel in der EU eine Marktzulassung statt nur eine Notfallzulassung bekommen sollen – und das dauert länger. So hat die Impfkampagne später begonnen.

+++ Auch Biontech/Pfizer hat Produktionsprobleme +++

Inzwischen sind Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Auch Biontech/Pfizer hatte zwischenzeitlich Produktionsprobleme, allerdings wohl nur kurzfristig. Der französische Pharmakonzern Sanofi kündigte am Mittwoch an, ab Sommer mehr als 125 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für die EU im Sanofi-Werk in Frankfurt zu produzieren.

Der Impfstoff von Astrazeneca wäre das dritte in der EU zugelassene Corona-Vakzin. Fragezeichen gibt es aber noch, ob dieser für ältere Menschen freigegeben wird. Experten der EU-Arzneimittelagentur EMA prüfen derzeit die Daten der klinischen Tests und wollen am Freitag eine Zulassungsempfehlung abgeben. EMA-Chefin Emer Cooke schloss am Dienstag nicht aus, dass diese auf bestimmte Altersgruppen begrenzt werden könnte.

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sba/news.de/dpa