Bruno Labbadia verlangt mehr von Krzysztof Piatek

Bruno Labbadia mag es nicht, sich allzu lange in der Vergangenheit aufzuhalten. Aber manchmal kann der Blick zurück auch Trost und Zuversicht spenden. Im Fall des anstehenden Auswärtsspiels von Hertha BSC ist das so. Der Berliner Fußball-Bundesligist tritt am Sonntag bei Bayer Leverkusen an, einer der führenden Mannschaften des Landes. Das war auch in der vergangenen Saison schon so, trotzdem hat Hertha beide Spiele für sich entscheiden können. Das 0:2 in Berlin am 33. Spieltag der Vorsaison war sogar bis heute die letzte Niederlage der Leverkusener überhaupt in der Liga.

Krzysztof Piatek dürfte an dieses Spiel sogar noch ein bisschen freudiger zurückdenken als seine Kollegen. Es war vermutlich das bisher beste für seinen aktuellen Arbeitgeber. Vier Torschüsse gab er ab, drei bereitete er vor, dazu gelang ihm ein Assist. Vor allem aber war es eines der wenigen guten Spiele Piateks, seitdem er im Winter vom AC Mailand nach Berlin gekommen ist. „So etwas ist automatisch im Kopf eines Spielers“, sagt Herthas Trainer Labbadia über die positiven Erinnerungen des Stürmers an an Bayer 04. „Es wird ihm hoffentlich helfen.“

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Labbadia hat sich in dieser Woche wieder intensiv mit dem 25 Jahre alten Polen beschäftigt, dem durch den Ausfall von Jhon Cordoba in den nächsten Wochen eine wichtige Rolle zukommt. Der es aber bisher noch nicht geschafft hat, wirklich wichtig für die Mannschaft zu sein. Das war auch am vergangenen Wochenende so, als Piatek gegen Borussia Dortmund zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder in der Startelf stand.

Gegen den BVB gab er keinen einzigen Torschuss ab, er bereitete keinen Torschuss vor, und seine Zweikampfquote lag bei 19 Prozent. So blieb von Piateks Auftritt nur eine Szene nachhaltig in Erinnerung: als er kurz nach der Pause Dortmunds Innenverteidiger Emre Can einfach laufen ließ und damit den Ausgleich der Gäste entscheidend begünstigte.

Die Fans debattieren über eine Rückkehr von Vedad Ibisevic

Als in dieser Woche publik wurde, dass Schalke 04 den Vertrag mit Vedad Ibisevic aufgelöst hat, haben einige Fans von Hertha BSC die Frage aufgeworfen, ob es nicht eine gute Idee sein könnte, den Bosnier zurückzuholen. Das sagt einiges über das Standing von Krzysztof Piatek, der eigentlich dazu ausersehen war, die Position des elf Jahre älteren Ibisevic zu übernehmen. Er ist weit davon entfernt, den früheren Kapitän vergessen zu machen. Das Portal „Whoscored“ ist nach der Auswertung sämtlicher verfügbarer Daten sogar zu dem Schluss gekommen, dass Piatek „keine signifikanten Stärken“ habe.

Vielleicht ist es aber auch so, dass Piatek seine Stärken noch nicht hat zeigen können, weil er nicht oft genug in die Situationen gerät, in denen er diese Stärken einbringen kann. Der Pole verfügt über eine gewisse Selbstverständlichkeit im Abschluss, vor allem innerhalb des gegnerischen Strafraums. Aber da muss er erst einmal hinkommen. Respektive der Ball.

Labbadia verlangt eine bessere Arbeit gegen den Ball

Es wird auch gegen Bayer wohl nicht so sein, dass Hertha eine Flanke nach der anderen in den Strafraum schlägt und Piatek gewissermaßen die freie Auswahl hat, welche Chance er denn nun verwertet. Umso mehr wird es auf einen anderen Aspekt ankommen: auf eine bessere Arbeit gegen den Ball, im Verbund mit den anderen Offensivspielern. Je höher die Attacke und je früher der Ballgewinn, desto kürzer ist für Piatek der Weg zum gegnerischen Tor.

„Gegen den Ball hat er es schon mal wesentlich besser gemacht“, sagt Trainer Bruno Labbadia, der von seiner Offensive vor allem eine gemeinsame Verteidigungsanstrengung erwartet: „Wir müssen besser miteinander funktionieren.“ Da darf sich Krzysztof Piatek durchaus angesprochen fühlen. „Und jeder Spieler muss noch einmal mehr aus sich rausholen.“ Da auch.