„Borga“ erhält vier Auszeichnungen

Der Film „Borga“ von York-Fabian Raabe hat am Samstag beim diesjährigen Filmfestival Max Ophüls Preis (MOP) in Saarbrücken gleich vier Preise gewonnen. Er erhielt sowohl den mit 36 000 Euro dotierten Max Ophüls Preis für den besten Spielfilm als auch den Publikumspreis Spielfilm und den Preis der ökumenischen Jury. Darüber hinaus wurde Eugene Boateng der Preis für den gesellschaftlich relevanten Film für seine Leistung als Associate Producer und Schauspieler verliehen.

Das MOP gilt als wichtigstes Festival für den jungen deutschsprachigen Film. Wegen der Corona-Pandemie fand die 42. Ausgabe zum ersten Mal komplett online statt. Die Laudationen der jeweiligen Jurys wurden voraufgezeichnet, die Gewinner am Samstag live über Zoom zugeschaltet.

„Borga“ erzählt von Ghanaern, die es im Ausland zu Wohlstand bringen wollen. Auch Kojo, der mit seinem Bruder auf einer Elektroschrott-Müllhalde aufwächst, möchte solch ein „Borga“ werden. „In einer epischen Erzählweise, ohne Angst vor Schönheit und mit Empathie für sämtliche Figuren, spricht der Film eine ganz besondere Einladung aus: mithilfe eines unerhörten Narrativs – einer konsequent Schwarzen Perspektive im deutschen Kino – nach Antworten zu suchen“, lobte die Jury. Regisseur York-Fabian Raabe hatte 2011 mit „Zwischen Himmel und Erde“ bereits den Preis für den besten Kurzfilm beim MOP gewonnen.

Drei Auszeichnungen für „Fuchs im Bau“

Zweiter Hauptpreisträger des Abends mit insgesamt drei Auszeichnungen ist „Fuchs im Bau“ (Österreich 2020) von Arman T. Riahi. Der Film, der die Arbeit eines Lehrers in einer Wiener Gefängnisschule schildert, erhielt den Preis für die beste Regie, den Fritz-Raff-Drehbuchpreis und den Preis der Jugendjury. Die Regie-Jury kommentierte: „Wir müssten die in ‘Fuchs im Bau’ gezeigte Welt zunächst für eine milde Form von Science Fiction halten, spürten wir nicht die jahrelange Recherche, die den Film in unserer Gegenwart verankert: vor dem außergewöhnlichen Backdrop einer Gefängnisschule – eines Klassenzimmers hinter Gittern – inszeniert die Regie die brutale Zuspitzung von Übergriff und Widerständigkeit im Jugendstrafvollzug.“
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Auch Regisseur und Autor Arman T. Riahi ist kein Unbekannter beim Saarbrücker Max Ophüls Preis: Sein Film „Die Migrantigen“ hatte hier 2017 bereits den Publikumspreis gewonnen. „Tala’vision“ (D/Jordanien 2020) von Murad Abu Eisheh erhielt den Preis für den besten mittellangen Film und den Publikumspreis in dieser Kategorie. Das 27 Minuten lange Werk erzählt vom Leben der achtjährigen Tala in einer von Krieg zerrütteten Welt – und welche Bedeutung darin ein Fernseher für sie hat. Als bester Dokumentarfilm wurde „Stollen“ (D 2020) über ein Dorf im Erzgebirge von Laura Reichwald ausgezeichnet.

Insgesamt wurden bei der 42. Ausgabe des MOP 98 Filme gezeigt, davon starteten 50 in den vier Wettbewerben Spielfilm, Dokumentarfilm, mittellanger Film und Kurzfilm. Für sie wurden 16 Preise in einer Gesamthöhe von 118 500 Euro verliehen. Die Abschlussveranstaltung wurde kostenlos auf der Streaming-Plattform und dem Youtube-Kanal des MOP übertragen.

Der künstlerische Leiter Oliver Baumgarten räumte rückblickend ein, dass es bei diesem ersten Online-Festival sicherlich auch einige technische Schwierigkeiten gegeben habe, für die man Entschuldigung sagen müsse. Aber „wirklich sehr sehr viele Dinge haben wirklich super funktioniert“, bilanzierte er. Dass dieses Festival überhaupt in dieser Form gestaltet werden konnte, habe man nur „dem unglaublichen Einsatz von unserem Team“ zu verdanken. Es habe sich seit drei Monaten, seitdem die Entscheidung gestanden habe, „mit absoluter persönlicher Hingabe in dieses Abenteuer gestürzt“, was einfach nicht hoch genug einzuschätzen sei. Er und Festivalleiterin Svenja Böttger seien „extrem dankbar“ dafür. dpa