Berliner Senat fördert fünf weitere Comic-Projekte

Der Berliner Senat hat am Dienstag die Gewinner*innen der nächsten vom Land ausgeschriebenen Comicstipendien bekanntgegeben. Die Summe für die seit 2017 auf Initiative des Deutschen Comicvereins vergebene Künstlerförderung wurde im vergangenen Jahr wie berichtet deutlich angehoben und liegt jetzt bei insgesamt 63.000 Euro.

Das mit 24.000 Euro dotierte 12-monatige Arbeitsstipendium geht in diesem Jahr an den Berliner Künstler Mikkel Sommer. Der aus Dänemark stammende Zeichner, der vor einigen Jahren unter anderem den starken Krimi „Burn Out“ bebilderte, hat im vergangenen Jahr zusammen mit seiner aus Russland stammenden Lebensgefährtin Anna Rakhmanko die auf eigenen Recherchen basierende biografische Erzählung „Strannik“ im Rotopol-Verlag veröffentlicht.

Darin blickt der russische Käfigkämpfer Vyacheslav auf ein Leben voller geplatzter Träume zurück. Sommer arbeitete dafür mit einem skizzenhaft wirkenden Strich, der der mit wenigen, prägnanten Textelementen versehenen Erzählung einen intimen und authentischen Charakter verlieh.

Auch für das jetzt mit dem Berliner Comicstipendium ausgezeichnete dokumentarische Projekt mit dem Arbeitstitel „Kat“ arbeiten Sommer und Rakhmanko zusammen. Diesmal geht es um die Geschichte der in Berlin lebenden Künstlerin und Sexarbeiterin Dasi, die in einem Domina-Studio arbeitet und sich für die Rechte von Sexarbeiterinnen einsetzt. Dafür haben Sommer und Rakjmanko Dasi bei ihrem Tagesablauf begleitet und Interviews mit ihr geführt – über ihre Kindheit, ihre Träume, ihre Familie, die Liebe und die Kunst.

Stadtgeschichte, ein neues Leben, Jugenderinnerungen

Drei weitere Stipendien, die mit jeweils 8000 Euro dotiert sind, gehen an Bianca Schaalburg, Julia Bernhard und Hamed Eshrat.

Bianca Schaalburg, die bisher unter anderem als Illustratorin und Cartoonistin gearbeitet hat, wird für ihr Projekt mit dem Arbeitstitel „Der Duft der Kiefern“ gefördert. Darin begibt sie sich auf die Spuren ihrer eigenen Berliner Familie und erzählt deren Geschichte von den 1930er bis in die 60er Jahre, wobei auch NS-Verstrickungen und die DDR-Staatssicherheit eine Rolle spielen. Mit ihrem Projekt wurde sie kürzlich auch bei der Vergabe des Comicbuchpreises der Leibinger-Stiftung als Finalistin ausgezeichnet.

Julia Bernhard, deren im avant-Verlag veröffentlichtes Buch „Wie gut dass wir drüber geredet haben“ im Sommer mit einem Max-und-Moritz-Preis beim Internationalen Comicsalon Erlangen ausgezeichnet wurde, bekommt ein Stipendium für ihr Projekt mit dem Arbeitstitel „Besser als nichts“. Darin erzählt sie die Geschichte einer jungen Frau aus Berlin, die nach der Trennung von ihrer Partnerin wieder bei ihren Eltern in Unterfranken einziehen muss und von dort ihr Leben neu zu ordnen versucht.

Hamed Eshrat, von dem zuletzt ebenfalls bei avant der dokumentarische Comic „Nieder mit Hitler!“ (mit Jochen Voit) und die Berlin-Erzählung „Venustransit“ erschienen sind, bekommt ein Stipendium für sein Projekt „Coming of H“. Die autobiografisch inspirierte Geschichte spielt in der Skater- und Graffiti-Szene in der westfälischen Provinz und erzählt unter anderem von einem Familiendrama, ersten Drogenerfahrungen und dem wachsenden politischen Bewusstsein der Hauptfigur. Das Projekt wurde zuvor ebenfalls auch von der Jury der Leibinger-Stiftung ausgezeichnet.

Auf der Suche nach der Pariser Zeit

Das mit 15.000 Euro dotierte sechsmonatige Aufenthaltsstipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris wird in diesem Jahr an Karolina Chyzewska vergeben. Die Zeichnerin, die zuvor unter anderem das autobiografisch geprägte Buch „Fast wie Zuhause“ veröffentlicht hat, will sich in Paris mit dem Thema „Zeit“ befassen. Es sollen unter anderem die Wahrnehmung von Zeit bei verschiedenen Akteuren und die Bedeutung von zeithistorischen Ereignissen auf den Alltag der Menschen untersucht werden, ebenso die Stimmung vor der nächsten Präsidentschaftswahl 2022.

Die unabhängige Jury für das Comicstipendium bestand in diesem Jahr aus der Vorjahres-Stipendiatin Nele Brönner, dem für seine Comic-Vertonungen bekannten Musiker Itay Dvori, der Journalistin Birte Förster (die auch für den Tagesspiegel schreibt), der Comiczeichnerin Soufeina Hamed und Stefan Neuhaus, dem ersten Vorsitzenden des Deutschen Comicvereins. Die Jury hatte nach Angaben der Senatskulturverwaltung über 79 Bewerbungen zu entscheiden, für das Aufenthaltsstipendium in Paris hatten sich lediglich acht Berliner Comic-Künstler*innen beworben.

Die Stipendiat*innen des Berliner Comic-Stipendiums werden ihre Arbeiten nach Angaben der Kulturverwaltung im Rahmen einer Veranstaltung im Herbst 2021 präsentieren, voraussichtlich im Rahmen der Comicinvasion Berlin.