Beinahe so populär wie Alexander Owetschkin

Zach Boychuk ist schnell. Wie schnell, das zeigte der kanadische Neuzugang am Donnerstag in seinem ersten Spiel für die Eisbären gegen Iserlohn. Ende des ersten Drittels ließ er Roosters- Verteidiger Ryan Johnston einfach stehen und zog in höchstem Tempo Richtung Tor. Weil er noch leicht gehakt wurde, reichte es nicht für einen Treffer. Und auch im zweiten Drittel fehlte ihm bei einem Pfostenschuss eine Kleinigkeit für das perfekte Debüt.

Dennoch war der 31 Jahre alte Stürmer nach dem 4:2-Sieg zufrieden: „Ich habe mich wirklich gut auf dem Eis gefühlt. Ich hatte gute Beine, gutes Tempo und ein paar Chancen.“

Das war so nicht unbedingt zu erwarten, denn Boychuk hatte am Mittwoch zum ersten Mal mit der Mannschaft trainiert, weil er zuvor noch die in Coronazeiten obligatorische, fünftägige Quarantäne hinter sich bringen musste. Sein letztes Spiel auf Wettkampfniveau beim HC Fribourg-Gottéron lag gar zehn Monate zurück, und in der Schweizer Liga hatte er es in der Saison 2019/20 insgesamt auch nur auf 15 Einsätze gebracht.

Angesichts dieser Voraussetzungen war die Leistung von Boychuk gegen Iserlohn durchaus bemerkenswert. Er spielte für einen Debütanten sehr auffällig. Mit Matt White und Giovanni Fiore harmonierte er in seinem Block erstaunlich gut. „Mir hat unsere Reihe wirklich gefallen, wir haben gut zusammengespielt“, sagte Boychuk.

Erst in der vergangenen Woche hatten ihn die Eisbären verpflichtet und sich davon einiges versprochen: „Er ist ein international erfahrener Center, der uns auf dieser Position weiter verbessern wird“, erklärte Sportdirektor Stéphane Richer nach dem Transfer. Am Donnerstag fehlte gegen Iserlohn in Mark Olver ein etatmäßiger Mittelstürmer, weshalb Boychuk direkt zum Zuge kam.

Boychuk hat bei Twitter unglaubliche 830.000 Follower

Boychuk war einst eine große Karriere vorausgesagt worden. Das NHL-Team der Carolina Hurricanes wählte den Angreifer aus Airdrie in Alberta an 14. Stelle in der ersten Draftrunde und damit vor Spielern wie Erik Karlsson oder Jordan Eberle. Anders als diese beiden wurde Boychuk allerdings nie zum Star, er konnte sich letztlich trotz 127 Spielen für die Hurricanes in Carolina nie wirklich durchsetzen. Immer wieder wurde er in die Ausbildungsliga AHL versetzt, um dann wieder zurückgerufen zu werden. Die Trainer trauten Boychuk auch wegen der eher geringen Körpergröße von 1,78 Meter nicht wirklich viel zu und irgendwann war es dann vorbei mit der Karriere in der NHL.

Es folgte eine regelrechte Odyssee für Boychuk. Er spielte in zwei Ländern für drei Klubs in der russischen KHL, wechselte dann in die Schweiz zum SC Bern und wurde dort Meister – anschließend fand er trotzdem keinen neuen Klub. Schließlich erinnerten sie sich in Fribourg an ihn, doch bleibenden Eindruck konnte er auch dort nicht hinterlassen. Nun ist Berlin so etwas wie seine letzte Chance.

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Dabei ist der Name Zach Boychuk bis heute in der Eishockeyszene bestens bekannt, was allerdings weniger mit seinen sportlichen Leistungen zu tun hat. Denn in den sozialen Netzwerken gehört Boychuk zur Weltspitze in seinem Sport. Nur drei aktive NHL-Spieler haben mehr als seine 830.000 Follower auf Twitter – Alexander Owetschkin, Jewgeni Malkin und P. K. Subban. Boychuk hat Social Media als Geschäftsmodell für sich entdeckt – und die Werbeindustrie ihn.

Dabei hat sich Boychuk taktisch einiges einfallen lassen, nach dem Motto: ’Wie du mir, so ich dir’. Denn er selbst folgt mehr als 550.000 anderen Twitter-Usern, vor einiger Zeit waren es sogar noch deutlich mehr. Sein Erfolg in den sozialen Netzwerken, auf denen er seit über zehn Jahren aktiv ist, scheint strategisch geplant – und hat sich anders als in seinem Hauptberuf als Eishockeyspieler ausgezahlt.

In Berlin will er nun wieder seiner Kernkompetenz nachgehen. Und zumindest der Einstand gegen Iserlohn war vielversprechend: „Die anderen haben gesagt, dass unser zweites Drittel das beste in der ganzen Saison war. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.“ Für die Eisbären – und für Zach Boychuk.