Bei Hertha BSC geht einfach alles schief

Die Situation schien für Hertha BSC eigentlich nicht übermäßig bedrohlich. Zwar brachte Ridle Baku den Ball in der 37. Minute von der rechten Seite in den Strafraum, doch da waren die Abwehrspieler Lukas Klünter und Niklas Stark nah an Stürmer Wout Weghorst dran. Beim Versuch, den Ball wegzuschlagen, versenkte ihn Klünter jedoch unhaltbar für Keeper Rune Jarstein im eigenen Tor.

Hertha lag in der Fußball-Bundesliga mal wieder zurück. Diesmal nach einer äußerst unglücklichen Szene beim Tabellendritten VfL Wolfsburg.. Am Ende verloren die Berliner trotz erneut vieler guter Gelegenheiten 0:2 (0:1). Sie sind nun seit neun Spielen sieglos und würden am Sonntag auf Rang 16 zurückfallen, wenn Mainz 05 den FC Augsburg schlägt. „Wir haben in der zweiten Halbzeit gut gespielt, offensiv und kämpferisch. Wir hatten unsere Chancen. Aber wieder stimmt das Ergebnis nicht“, sagte Trainer Pal Dardai.

Auch diesmal hatte er Änderungen in der Startelf vorgenommen: Mathew Leckie fehlte wegen muskulärer Probleme, Dodi Lukebakio und Krzysztof Piatek saßen auf der Bank. Dafür spielten Deyovaisio Zeefuik, Vladimir Darida und erstmals von Beginn an Nemanja Radonjic.

Auch gegen das nächste Spitzenteam nach Eintracht Frankfurt, den FC Bayern und RB Leipzig machte es Hertha nicht schlecht. Die Defensive stand und der erste vielversprechende Torschuss ging auf das Konto der Gäste: Die sehenswerte Direktabnahme von Lucas Tousart aus etwa 18 Metern lenkte Torwart Koen Casteels zur Ecke. Kurz danach schoss Sami Khedira aus ähnlicher Distanz drüber.

Angriffe für den Gegner leitete Hertha zunächst selbst ein: Torwart Jarstein mit einer missglückten Spieleröffnung und Matheus Cunha mit einer schwachen Ecke. Beides blieb ebenso folgenlos wie das Kopfballtor von Weghorst Mitte der ersten Hälfte, da der VfL-Stürmer weit im Abseits gestanden hatte. Kurz danach sorgte Maxence Lacroix für einen spektakulären Moment im eigenen Strafraum, als er eine Flanke von Darida in der Luft liegend mit der Hacke klärte.

Cunha, Radonjic und Khedira mussten verletzt ausgewechselt werden

Hertha schien auf gutem Wege, beim Tabellendritten ohne Gegentor in die Halbzeit zu kommen. Dann unterlief Klünter das Eigentor. Dardais Team hat derzeit im Kampf gegen den Abstieg selten das Glück auf seiner Seite. Und es ging so weiter: Kurz vor der Pause verletzte sich Cunha. Er musste mit muskulären Problemen in der Kabine bleiben. Piatek kam rein.

Außerdem ging der ebenfalls nicht ganz fitte Radonjic raus und Jhon Cordoba gab nach fünf Wochen Verletzungspause sein Comeback. Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff verschärfte sich die Situation weiter: Khedira musste runter, eine genaue Diagnose gab es nach der Partie noch nicht. Dardai brachte Mattéo Guendouzi.

Der Spielfluss war auf beiden Seiten für einige Zeit weg, es gab zahlreiche Unterbrechungen, Gelbe Karten und viele Fehlpässe. Einer davon brachte Xaver Schlager in eine aussichtsreiche Schussposition, aber Stark blockte ihn im Strafraum. Hertha fing sich danach und hatte eine große Gelegenheit: Daridas Hereingabe verlängerte Marin Pongracic ungewollt zu Zeefuik, der aus kurzer Distanz mit dem Kopf an Casteels scheiterte. Auch den Versuch von Cordoba Sekunden später hielt der Torwart, da war von Schiedsrichterassistent Markus Häcker allerdings Abseits angezeigt worden.

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Danach tat sich vor und in den Strafräumen erneut eine ganze Weile nichts. Doch die letzte Viertelstunde sollte es in sich haben. Hertha kam zu mehreren richtig guten Gelegenheiten – und verwertete sie wie in den vergangenen Spielen nicht. Der erst kurz zuvor für Darida eingewechselte Lukebakio schoss völlig freistehend aus knapp zehn Metern drüber.

Später traf Piatek den Pfosten. Zwischendurch war Cordoba an Torwart Casteels gescheitert. Er durfte sich anschließend den Ball schon zum Elfmeter bereitlegen, da ihn Baku vermeintlich gefoult hatte. Nach einer sehr langen Unterbrechung entschied Schiedsrichter Bastian Dankert, der sich die Szene selbst noch einmal angeschaut hatte, doch keinen Strafstoß zu geben. Eine richtige Entscheidung.

In der 86. Minute ging der erste Schuss auf Herthas Tor, der von einem Wolfsburger abgegeben worden war. Jarstein hielt gegen Bartosz Bialek. Beim Kopfball von Lacroix konnte er allerdings nichts mehr machen. Trainer Dardai quittierte das zweite Gegentor mit einem resignierten Schmunzeln: „Ich habe lange genug gespielt. Ich weiß, wie es ist.“ Die Sache war gelaufen.

Dass Wolfsburgs Pongracic in der Nachspielzeit Gelb-Rot sah, änderte nichts mehr daran, dass Hertha wieder ein Spiel verlor, das nicht hätte verloren werden müssen. „Es ist einfach bitter, dass wir mit null Punkten nach Hause fahren“, sagte Stark nach Abpfiff bei Sky.