Aus der rhetorischen Mottenkiste

Nun fliegen sie also wieder bei der Vierschanzentournee. Alle Jahre wieder kann der geneigte Sportfan mitfiebern, wenn sich die besten Skispringer von der Schanze stürzen und um den Titel kämpfen, der in der Branche nicht nur gefühlt am meisten zählt. Die Frauen dürfen auch mit dabei sein – als Zuschauerinnen.

Und daran wird sich so schnell nichts ändern, am Rande der Männertour wurde von den Entscheidern (männlich) jetzt postuliert, dass es auch im kommenden Jahr nichts werde mit einer lange schon geforderten Tour der Frauen. Coronakrise und so. Schwer planbar. Fehlende Leistungsdichte. Und überhaupt. Die Argumente lassen sich mühelos auf andere Sportarten übertragen, in denen die Frauen draußen bleiben sollen.

Tournee-Präsident Johann Pichler hat sogar noch ein richtiges Premiumargument parat. Er sei besorgt, sagt der Mann. Man müsse „ aufpassen, dass das Premiumprodukt Vierschanzentournee seinen Stellenwert“ behalte. Für die „Damen“ sei es sicher auch nicht gut, wenn sie „das fünfte Rad am Wagen“ seien und man sie als „Vorspringerinnen“ der Männer runterlasse. Das werden die Damen bestimmt einsehen, die – vor allem die Deutsche Katharina Althaus – seit Jahren um Gleichberechtigung kämpfen und im Gegensatz zu den Männer in der laufenden Saison kaum springen durften. Welcher Mensch will schon gern als fünftes Rad auf die Schanze gehen.

Ganz im Ernst: Natürlich ist es schon mal ein weiterer kleiner Etappenerfolg für die Springerinnen, dass ihr Anliegen diskutiert wird und die hilflose Abmoderation der Funktionäre aus der rhetorischen Mottenkiste kommt. Die Vierschanzentournee der Frauen wird kommen, ganz sicher und ganz sicher auch ohne fünftes Rad. Jetzt ist keine Geduld gefragt, sondern jetzt muss die Diskussion und die Forderung danach weitergehen. Dabei kann man(n) den Frauen nur viel Kraft und vor allem Erfolg wünschen.