Auf die wenigen Zuschauer würden viele Klubs sogar gerne ganz verzichten

Die Freude der Bundesliga-Klubs über die Teil-Rückkehr ihrer Fans hält sich in Grenzen. Weil die Finanzen mal wieder wichtiger sind. Ein Kommentar.




Einiges los. So viele Fans wie zuletzt in Dresden sind nicht mehr erlaubt. Foto: dpaFoto: dpa

Kann es sein, dass es die Politik keinem recht machen kann? Zumindest dem Sport nicht. Seit Wochen und Monaten pochten die Vertreter der professionellen Leibesübungen auf klare und möglichst einheitliche Regelungen bezüglich der Wiederzulassung von Fans in ihre Hallen und Stadien. Eine heikle Forderung angesichts der unsteten Infektionszahlen.

Und als dann am Dienstag die Chefs der Staatskanzleien die Sache mal so im Hauruckverfahren regelten und den Profivereinen eine Zuschauerauslastung in ihren Hallen und Stadien von 20 Prozent gewährten, hielt sich die Begeisterung des Sports – euphemistisch formuliert – in Grenzen.

Borussia Dortmund ließ flugs mitteilen, dass man zum Spitzenspiel am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach nur mit etwa 10.000 statt der erlaubten 16.300 Zuschauer plane. Beim VfB Stuttgart wussten sie bis Mittwoch noch gar nicht, ob sie überhaupt Fans zum Heimspiel gegen den SC Freiburg hereinlassen wollten. Jetzt sollen es 8000 sein, obwohl ein paar Tausend mehr möglich gewesen wären.

Auch bei den beiden Berliner Klubs Hertha BSC und 1. FC Union wurde der Beschluss der Politik nüchtern hingenommen – mit dem Hinweis, dass das alles erst mal in eine Länderverordnung gegossen werden müsse.

Fast könnte man meinen, dass sich die Politik die Fans mehr zurückwünscht als der Sport. Und ein bisschen ist das auch so. Das hat einen einfachen Grund: Im Gegensatz zu den Klubs müssen die Politiker nicht die Rechnung begleichen, die ein für wenige Fans geöffnetes Stadion kostet. Bei einer Zuschauerauslastung von 20 Prozent schreiben fast alle Bundesligaklubs rote Zahlen.

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Hinzu kommt, dass die Maßnahmen zum Infektionsschutz wie etwa die personalisierte Ticketvergabe mit großem Aufwand verbunden sind. Offenbar waren viele Klubs von der Entscheidungsfreudigkeit der in ihren Augen sonst so zaudernden Politik überrascht. Jetzt sind sie es, die plötzlich liefern müssen.