Auf dem Papier besser als auf dem Platz

Das 1:3 gegen Augsburg zum Bundesliga-Auftakt macht deutlich, dass die neu zusammengestellte Mannschaft des 1. FC Union noch Zeit braucht.




Max Kruse (r.) und Marvin Friedrich haben noch viel Arbeit vor sich.Foto: Bernd König/Imago

Der neunte Neuzugang wurde kurz nach der Auftaktniederlage bekanntgegeben. Mit dem vom FC Liverpool ausgeliehenen Taiwo Awoniyi, der zuletzt bei Mainz 05 und auch schon beim FSV Frankfurt gespielt hat, bestätigte der 1. FC Union zum Sonnenuntergang am Samstag die Ankunft des neuen Mittelstürmers. Eine gute Nachricht für den Klub, mit der sich die Enttäuschung des Nachmittags etwas besser verdauen ließ.

Awoniyi hätten die Berliner ein paar Stunden zuvor schon gebrauchen können. Während der abgewanderte Sebastian Andersson sein erstes Tor für den 1. FC Köln schoss, kassierte Union in dessen Abwesenheit eine bittere Niederlage gegen einen vermeintlichen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. „Es fehlt uns dann schon auch dieses Element, einen gelernten Stürmer auf dem Platz zu haben“, sagte Trainer Urs Fischer nach dem 1:3 gegen den FC Augsburg.

Ob Awoniyi, der auch als Flügelspieler agieren kann, einen direkten Andersson-Ersatz darstellt, wird sich noch zeigen müssen. Jedenfalls war der Mittelstürmer-Mangel nicht das einzige Problem, mit dem Union am Samstag haderte. Auf allen anderen Positionen waren die Köpenicker nach einem erfolgreichen Transferfenster an sich bestens besetzt. Allerdings zählt es nicht auf dem Papier, sondern auf dem Platz.

Dort gab es unterschiedliche Erklärungen dafür, dass der 1. FC Union einen Fehlstart in seine zweite Bundesliga-Saison hingelegt hat. „Was gefehlt hat, war die Torgefahr nach vorne“, fand etwa der neue Torwart Andreas Luthe im Sky-Interview. Für den Debütanten Max Kruse hingegen waren es eher die kollektiven Fehler in der Defensive, die „zu Gegentoren geführt haben“.

Was fehlte, war die Torgefahr

Wahrscheinlich hatten beide ein bisschen recht. Neben Kruse und Luthe gaben auch vier andere Spieler am Samstag ihr Bundesliga-Debüt für Union. Dabei war unübersehbar, dass diese relativ neu zusammengestellte Mannschaft noch ein bisschen mehr Zeit braucht. Sowohl nach vorne, wo der gewünschte neue Biss nicht da war, als auch hinten, wo die alte Stabilität in ein paar wichtigen Momenten fehlte.

„Am Schluss brauchst du die richtige Mischung aus defensiver Kontrolle und Mut in der Vorwärtsbewegung“, sagte Fischer. Das sah er zum Beispiel in der Leistung des Neuzugangs Robin Knoche, der sich „mit dem Ball was zugetraut“ hat, und „in den Duellen aggressiv und konsequent war“.

Andererseits stand Knoche bei allen Augsburger Toren in einer Position, wo er im entscheidenden Moment nicht mehr helfen konnte. „Mit der Leistung von Robin war ich zufrieden. Aber so zufrieden kann ich auch nicht sein, denn wir haben drei Tore kassiert“, sagte der Trainer.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

So in etwa lief dieser enttäuschende Nachmittag für Union eben auch insgesamt ab. Sowohl als Mannschaft als auch individuell gab es durchaus positive Zeichen für Fischer. Am Ende haften blieb aber dann der Eindruck einer Mannschaft, die immer noch nicht so richtig eingespielt ist.

Doch es gibt ja bei vielen Neuzugängen gute Gründe zu hoffen, dass das Beste noch bevorsteht. Der Star-Transfer Kruse etwa konnte nach seiner langen Verletzung noch nicht einmal eine halbe Stunde auf dem Feld stehen. Das soll sich in den nächsten Wochen ändern. „Ich glaube noch nicht, dass ich bei 100 Prozent bin. Das hat man auch nicht erwarten können nach sechs Monaten Pause“, sagte er.

Sein Debüt hat er trotzdem genossen. „Es war natürlich ein schönes Gefühl, auch, das erste Mal wieder mit Fans in der Bundesliga zu spielen. Es ist sehr schön zu sehen, dass wir langsam ein bisschen zur Normalität zurückkehren“, sagte er im Vereinsfernsehen, fügte dann aber mit schiefem Lächeln eine Warnung hinzu. „Was nicht zur Normalität werden sollte, sind natürlich Niederlagen.“