Auch Urlaub ist wichtig

Die Tore fielen wie die Eicheln von den Eichen rund um den Trainingsplatz von Hertha BSC. In reicher Zahl und kurzer Abfolge. 3:0 für das Team mit den weißen Leibchen. Zack. 4:0. Zack. 5:0. 6:0. Zack, zack.

Als ehemaliger Stürmer hätte Bruno Labbadia eigentlich hellauf begeistert sein müssen. In seiner Eigenschaft als Trainer von Hertha BSC aber sah er sich genötigt, die Trainingseinheit am Montagvormittag nach knapp zwei Stunden mit einer Grundsatzrede an seine Mannschaft zu beenden. „Das ist Mist! 4:0, 5:0, 6:0 – es kann nicht sein, dass wir das einfach über uns ergehen lassen“, schimpfte Labbadia. „Ihr müsst schneller reagieren, mehr miteinander kommunizieren. Das ist wichtig. Strafft euch mal! Es geht um unseren Erfolg.“

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Im großen Ganzen war es ein seltener Moment der Unzufriedenheit, den sich Labbadia am Montag erlaubte. Generell hatte er wenig Anlass, sich kritisch auszulassen, seitdem der Berliner Fußball-Bundesligist die Vorbereitung auf die Saison 2020/21 begonnen hat. Im Gegenteil. Herthas Trainer hat seinen Spielern ein „Top-Engagement“ bescheinigt, „sie haben bedingungslos alles mitgemacht“. Und das war ganz sicher nicht wenig.

An diesem Dienstag – exakt drei Wochen nach dem Trainingsstart – endet nun für die Berliner die erste Phase der Vorbereitung. Die sogenannten Intensivwochen, in denen die Mannschaft zum Teil schon morgens um sieben auf dem Gelände sein musste und meistens zweimal auf dem Platz trainiert hat, liegen dann hinter Herthas Profis. „Die Trainingseinheiten sind hart“, hat Deyovaisio Zeefuik, Neuzugang aus der holländischen Ehrendivision, vorige Woche gesagt. „Aber das ist gut für mich. Es gibt mir ein gutes Gefühl.“

Herthas Trainer: Großer Umfang, hohe Intensität

Ein gutes Gefühl für die anstrengenden Wochen, die ab dem Saisonstart am zweiten Septemberwochenende auf Zeefuik und seine Kollegen zukommen werden. Die besonderen Belastungen bis zur kurzen Winterpause haben in Labbadias Planungen eine wichtige Rolle gespielt. „Es waren sehr hohe Umfänge“, sagt der Trainer über das bisherige Programm, „nicht nur körperlich, auch geistig.“

Selbst wenn es in dieser ersten Phase der Vorbereitung vor allem um die körperlichen Grundlagen ging, war es Labbadia wichtig, auch jetzt schon „so viel wie möglich Fußball zu spielen und so viel wie möglich taktisch zu arbeiten“. Im nächsten Schritt werde es dann darum gehen, „in den dynamischen Bereich reinzukommen“.

Davor aber haben die Spieler noch einmal fünf Tage frei. Labbadia hat ihnen das gleich zu Beginn der Vorbereitung in Aussicht gestellt, als bewusste Unterbrechung für die zu erwartenden Qualen, aber auch als Ziel, für das es zu arbeiten lohnt. Voraussetzung: Die Spieler ziehen richtig mit. Gerade mal sieben Tage benötigte Labbadia, um zu erkennen, dass das der Fall ist.

An zwei Tagen sollen die Spieler gar nichts machen

Die Spieler dürfen für den kurzen Urlaub die Stadt verlassen, mussten aber angeben, wohin sie zu reisen gedenken. Am ersten und am letzten Tag sollen sie gar nichts machen, für die restlichen Tage hat jeder Profi ein individuelles Programm erhalten. „Jeder muss sich an den Plan halten“, sagt Labbadia. Zusätzliches Training ist nicht nur nicht erwünscht, sondern explizit untersagt, „weil wir wissen, was wir davon haben werden.“

Zum Abschied wird der Trainer seine Mannschaft noch einmal ganz bewusst darauf hinweisen, dass die kommenden Tage ohne gemeinsames Training die wichtigsten der gesamten Vorbereitung sind. Sowohl als regenerative Abrundung der intensiven Wochen wie auch als Erholung für den Kopf. Anstrengend wird es wieder früh genug.