Alba Berlin ist nach der Quarantäne chancenlos

Einen Erfolg konnte Alba Berlin schon vor Spielbeginn verbuchen. Trainer Aito Garcia Reneses vermerkte tatsächlich elf Basketballer auf dem Spielberichtsbogen und damit nur einen weniger als gewöhnlich. Anfang der Woche war Alba nach mehr als zwei Wochen ins Training zurückgekehrt, am Montag stellte sich das mit nur sieben Spielern allerdings noch nicht wirklich ergiebig dar. Sieben Teammitglieder hatten sich nach dem letzten Euroleague-Spiel gegen ZSKA Moskau am 16. Oktober mit dem Coronavirus infiziert, fünf Spiele mussten verlegt werden.

Nun konnten die Berliner endlich wieder Basketball spielen – auch wenn die Umstände mit einer professionellen Spielvorbereitung in etwa so viel gemein hatten wie die leere Arena am Ostbahnhof mit einem Hexenkessel. Selbst in Bestform wäre der FC Barcelona, eines der absoluten Schwergewichte der Euroleague, für Alba ein nur sehr schwer schlagbarer Gegner gewesen. In dieser Form waren die Berliner am Donnerstagabend schlichtweg chancenlos. Trotz guter Moral verloren die Berliner 67:103 (18:30, 18:26, 15:23, 16:24). In der Euroleague stehen sie nun bei einem Sieg und vier Niederlagen. „Wir durften wieder zusammen auf das Feld, sind rauf und runter gerannt, das ist das einzig Positive. , „Auch wenn das Ergebnis natürlich wütend macht.“

Dass Alba nicht in Bestformation antrat, war schon beim Blick auf die Aufstellung klar: Luke Sikma, eigentlich Power Forward, begann als Center und die jungen Malte Delow und Lorenz Brenneke durften erstmals in dieser Saison bei den Profis spielen. Die verletzten Johannes Thiemann und Louis Olinde, der noch an den Folgen der Covid-19-Erkrankung leidende Peyton Siva sowie Maodo Lo fehlten im Aufgebot.

In den ersten Minuten hielten die Berliner dennoch ordentlich mit und offensiv sah es streckenweise gar nicht schlecht aus, was sie darboten. Simone Fontecchio traf einen Dreier, Niels Giffey ebenfalls und so stand Mitte des ersten Viertels nur ein Punkt Rückstand auf der Anzeigetafel.

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Trainer Reneses wusste natürlich um den körperlichen Zustand seiner Spieler und wechselte schon früh munter durch. Das war – neben dem fehlenden Mannschaftstraining – sicherlich auch ein Grund für die oft fehlende Abstimmung in der Defensive. Im ersten Viertel traf Barca 89 Prozent seiner Würfe aus dem Zwei-Punkte-Bereich und von außen hatten sie ja Alex Abrines: Der Spanier versenkte alle seine vier Dreier. Nach zehn Minuten lag Alba mit zwölf Punkten zurück und Barcelonas Trainer Sarunas Jasikevicius war angesichts einiger Unaufmerksamkeiten beim Rebound nicht mal zufrieden mit seinem Team.

Im Prinzip war relativ schnell klar, dass Alba dieses Spiel wohl nicht mehr drehen würde – und der trostlose Anblick der leeren Tribünen trug seinen Teil dazu bei, dass sehr schnell eine Testspielatmosphäre entstand. Die Berliner hatten schon im Vorfeld angemerkt, dass man in dieser ungewöhnlichen Saison und erst recht in der jetzigen Situation vermutlich in anderen Kategorien als Sieg und Niederlage denken müsse.

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Reneses tut dies ohnehin und so beobachtete er seine Mannschaft von der Seitenlinie wie üblich äußerlich tiefenentspannt. Alba ließ sich keinesfalls hängen, konnte die Katalanen aber auch nie wirklich in Bedrängnis bringen. „Was die Fitness angeht, kann man sich manchmal noch durchbeißen“, sagte Kapitän Giffey. „Aber der Rhythmus ist weg.“ Zur Halbzeit war der Favorit auf 20 Punkte davongezogen und ernst gemacht hatten Euroleague-Topverdiener Nikola Mirotic und Kollegen noch nicht. Das ließ sich von den Berlinern nicht sagen, denn schon im zweiten Viertel pumpten einige Spieler wie sonst nur in der Schlussphase.

In der zweiten Halbzeit wurde die nicht wettkampftaugliche Kondition von Minute zu Minute deutlicher. Alba wollte, das war zu erkennen, aber die Beine machten einfach nicht mit. Und mit der immer größer werdenden Müdigkeit ließ auch die Konzentration nach. Vereinzelt zeigten besonders Simone Fontecchio und Jayson Granger zwar noch sehenswerte Aktionen, am klaren Sieg der Gäste änderte das aber nichts mehr. So musste Alba das Spiel als Trainingseinhei t unter Wettkampfbedingungen abhaken. Denn am Sonntag (15 Uhr) geht es mit dem Bundesligaauftakt gegen Frankfurt in eigener Halle schon weiter. Es kann eigentlich nur besser werden.