Alba Berlin fehlt gegen Oldenburg die Kraft

Hinter dem Korb, im Block 212, dort wo eigentlich die lautesten Fans von Alba Berlin stehen, hing am Dienstagabend ein langes gelbes Banner. „Not here, but still there“ – nicht hier, aber doch dabei – war darauf zu lesen und es war ziemlich genau ein Jahr nach dem letzten Heimspiel unter normalen Bedingungen ein Gruß an die Berliner Mannschaft. Vor der Pandemie entstand zwischen Anhängern und Basketballern in der großen Arena am Ostbahnhof gelegentlich eine Symbiose, die kaum zu erklären, aber wunderbar zu erleben war. Es ist knapp 13 Monate her, dass Alba das Pokalfinale in eigener Halle vor 15.000 Zuschauern gegen Oldenburg vor einer ekstatischen Kulisse gewonnen hat.

Am Dienstag waren in der Bundesliga erneut die Niedersachsen zu Gast in Berlin und der Unterschied war frappierend. Ein Banner kann halt nicht die Energie der Fans ersetzen – und einen Energieschub von außen hätte Alba wirklich gut gebrauchen können. Denn nach der anstrengenden einwöchigen Auswärtsfahrt in der Euroleague nach Russland und in der BBL nach Ulm wirkten die Berliner über weite Strecken kraftlos und verloren verdient 81:89 (19:24, 13:22, 17:18, 32:25). „Das fehlende Publikum ist ein Riesenfaktor“, sagte Albas Kapitän Niels Giffey. „Es würde uns sehr helfen, richtige Heimspiele zu haben. In Russland hatten wir gerade richtige Auswärtsspiele.“

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Das Spiel begann aus Berliner Sicht schon nicht gut. Im ersten Viertel schaffte es Alba gegen die aufmerksame Verteidigung der Oldenburger kaum, gute Würfe herauszuspielen. Mit nur fünf Punkten Rückstand war die Mannschaft von Aito Garcia Reneses noch gut bedient, denn ohne die vielen Freiwürfe auf Berliner Seite und die nullprozentige Dreierquote der Oldenburger wäre das Ergebnis noch viel deutlicher gewesen.

Man brauchte aber gar nicht auf die Statistiken zu schauen, um die Kräfteverhältnisse zu erkennen. Während die Oldenburger Bank bei jeder Aktion mitging und anfeuerte, war den Berlinern ihre Müdigkeit anzusehen und die Körpersprache dementsprechend kraftlos.

Als die Gäste gegen Ende des zweiten Viertels auch noch anfingen, aus der Distanz zu treffen, wuchs ihr Vorsprung erstmals in den zweistelligen Bereich, zur Halbzeit waren es 14 Punkte. „Wir haben es nicht geschafft, das umzusetzen, was wir uns vorgenommen hatten, und das waren wiederkehrende Sachen“, sagte Giffey und machte besonders die Verteidigung gegen Oldenburgs Center Rasid Mahalbasic als Problem aus.

Nach der Pause war Alba der Wille anzumerken, sich nicht kampflos zu ergeben. Auch die Ersatzspieler waren bemüht, ihre Kollegen verbal zu unterstützen und beklatschten jede gute Aktion. Oldenburg ließ sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen. Die Niedersachsen sind nur noch in der BBL vertreten und haben ein Spiel pro Woche, Alba stand zum sechsten Mal in zwölf Tagen auf dem Feld. Diesen Vorteil nutzte Oldenburg konsequent aus und und ließ den Gegner kaum in den Rhythmus kommen. In der Schlussphase kamen die Berliner, bei denen Peyton Siva (15 Punkte), Maodo Lo, Marcus Eriksson (je 11) und Luke Sikma (10) zweistellig punkteten, bis auf vier Punkte heran, enger wurde es aber nicht mehr.