Abseits der großen Profivereine herrscht viel Ungewissheit

Gewöhnlich würde Daniel Deutsch seine geknickten Spieler nach einer Niederlage gleich wieder aufrichten. „Alles klar“, würde der Trainer des Handball-Drittligisten VfL Potsdam sagen, „nächste Woche geht es weiter.“ Doch müssen sich die Adler nach der 24:27 (12:13)-Heimniederlage vom vergangenen Sonntag gegen den HC Empor Rostock mit ihrer Wiedergutmachung gedulden. Wegen des Coronalockdowns ruht der Spielbetrieb in der dritten Handballliga für die nächsten zwei Wochen.

„Die Situation ist einfach Scheiße“, formulierte der Rostocker Trainer Till Wiechers ungehemmt seine Ansicht. Die zuständigen Gremien des Deutschen Handballbundes werden in den kommenden zwei Wochen „in Rücksprache mit den Vereinen die Möglichkeiten der Fortsetzung des Spiel- und/oder Trainingsbetriebs und die dafür erforderlichen Maßnahmen prüfen“, teilte der Verband noch Ende vergangener Woche mit.

Die Drittliga-Klubs beschäftigt die Frage, ob sie als Profisportler eingestuft werden und weiterspielen dürfen – allerdings ohne Zuschauer und mit entsprechenden Auflagen. Für VfL-Präsident Norbert Ahrend ist die Sache klar: „Wir sehen uns als Profis“, sagte er dem Tagesspiegel. „Was wir machen, ist professionell, nicht nur im sportlichen Bereich, sondern bei der gesamten Organisation des Vereins.“ Er habe Verständnis dafür, „wenn wir jetzt für zwei Wochen innehalten, uns besinnen und dazu beitragen, dass die Infektionszahlen nicht weiter steigen“, sagt der VfL-Chef.

Er hoffe aber, dass Verband und Politik in dieser Zeit den Status von Drittliga-Handballklubs klären. Er glaubt fest daran, dass „wir als Profiteams eingeordnet werden“, und der Spielbetrieb Mitte November weitergeht. Dabei kann sich Ahrend durchaus vorstellen, dass die Saison nach der Hinrunde in einem anderen Spielmodus fortgesetzt wird. „Dafür gibt es genug kreative Möglichkeiten“, meint er.

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Ihre Ungewissheit teilen die Potsdamer VfL-Handballer mit den Spielern des SV Babelsberg 03. Für die Viertliga-Kicker ruht der Ball seit Wochenbeginn, das 2:2 (0:1) am vergangenen Sonntag bei Germania Halberstadt war bis mindestens Ende November die letzte Punktausbeute. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat den Lockdown für die Regionalliga am Freitag verkündet, was den Babelsberger Vereinsvorstand bereits veranlasst hat, mit seinen Spielern über eine erneute Kurzarbeit-Regelung zu sprechen.

Über die Frage, ob die Nulldrei-Fußballer trainieren dürfen, herrscht allerdings Verwirrung, nachdem Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) vergangenen Freitag öffentlich erklärte: „Wir haben Einigkeit in der Koalition, dass wir hier (für Regionalliga-Fußball Anm. d.R) Trainings- und Sportbetrieb möglich machen werden.“ Eine entsprechende Mitteilung an die märkischen Regionalliga-Klubs – neben Babelsberg sind das Energie Cottbus, Optik Rathenow, FSV Luckenwalde und Union Fürstenwalde – gibt es bislang jedoch nicht.

Klar ist schon jetzt, dass es enorm schwierig wird, die Regionalliga-Saison zu Ende zu führen. Auch wenn die Zwangspause Ende November vorbei sein sollte, mahnen die Klubs eine mindestens zweiwöchige Vorbereitung für den Wiedereinstieg an. Dass dieser dann ohne Zuschauer stattfindet, ist für viele Regionalligisten nicht vorstellbar. Klubs wie Energie Cottbus und Lok Leipzig, die traditionell mit einem hohen Zuschaueraufkommen kalkulieren, hatten schon vor Saisonbeginn gewarnt, dass dauerhafte Geisterspiele die Vereine ruinieren werden. Am kommenden Mittwoch will sich daher der NOFV in einer Videokonferenz mit den Regionalligaklubs beraten.