69 Prozent weniger Besucher in den deutschen Kinos

80,5 Millionen weniger verkaufte Tickets als 2019, so lautet die deutsche Kinobilanz 2020. Der Filmförderanstalt (FFA) zufolge entspricht dies einem Rückgang von 67,9 Prozent im Vorjahresvergleich. Beim Umsatz sind es 706 Millionen Euro weniger – ein Rückgang von 69 Prozent. Der globale Umsatzrückgang liegt Schätzungen zufolge etwas höher, bei 71 Prozent.

Dass die deutschen Kinos nach dem ersten Lockdown erst im Juli wieder öffnen konnten, dann nur wenig Plätze belegen durften und seit November wieder bis zu einem unbekannten Zeitpunkt geschlossen sind, führt zur Bilanz von rund 38 Millionen Kinobesuchen im letzten Jahr. 2019 waren es 118,6 Millionen Besuche. In Berlin wurden 3,2 Millionen Tickets verkauft, etwa 65 Prozent weniger als im Vorjahr.

FFA-Vorstand Peter Dinges spricht von einem sehr schlechten, aber erwartbaren Ergebnis. Die FFA, die Förderanstalten und die Hilfsprogramme des Bundes hätten zwar geholfen, die Not zu mildern, trotzdem sei ist die Lage „sehr schwierig“.

Noch führt die Dramatik der Situation nicht zu nennenswerten Firmenschließungen. Die Zahl der Kinounternehmen bleibt mit 1227 unverändert, bundesweit wurden sechs Kinos geschlossen. Die Zahl der Standorte verringerte sich um drei: 943 Städte und Gemeinden haben mindestens ein Kino. Die Folgen der Pandemie würden sich hier erst im Lauf dieses Jahres zeigen, so Peter Dinges. Viele Menschen vermissten Kinobesuche schmerzlich, deshalb hofft er, dass es nach dem Neustart „wieder richtig losgeht“.

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Auf Platz eins der Top-Titel 2020 steht „Bad Boys For Life“ mit 1,8 Millionen verkauften Karten: Der Film war noch vor dem ersten Lockdown gestartet. Auf Platz zwei folgt Christopher Nolans „Tenet“, der ab Ende August trotz Beschränkungen 1,7 Millionen Besucher anlockte. Insgesamt waren US-Filme 17,4 Millionen Zuschauern einen Ticketkauf wert, knapp Dreiviertel weniger als 2019. Im Vorjahr wurde die Filmhitliste von „Die Eiskönigin 2“ angeführt, mit knapp 5,7 Millionen Besuchern.

Erfolgreichster deutscher Film war die Komödie “Nightlife”

Von den zahlreichen US-Blockbuster-Verschiebungen wegen Corona profitierten die deutschen Filme, deren Marktanteil auf 35 Prozent stieg (2019 waren es 21,5 Prozent). Ein „bitterer Rekordwert“, so die FFA, denn mit 13,3 Millionen verkauften Tickets bedeutet dies gleichzeitig einen Rückgang um 46 Prozent.

Auf Platz eins steht die Komödie „Nightlife“, die noch vor dem ersten Lockdown Mitte Februar startete,, sie brachte es auf 1,4 Millionen Tickets. Die direkt nach dem Start Anfang März vom Lockdown ereilten „Känguru-Chroniken“ verzeichnen 809.000 Tickets. Da die Komödie von Dani Levy ausnahmsweise gleich online weiter vermarktet werden konnte, handelt es sich überwiegend um Streamingtickets. Auf Platz 3 der deutschen Titel steht „Jim Knopf und die Wilde 13“ (Start 1.10.) mit 782.000 Besuchern.